Ägyptischer Professor fordert vom Westen, Genitalverstümmelung zu erlauben

Der ägyptische Professor Mohamed Kandeel fordert den Westen auf, Eltern das Herausschneiden der Klitoris bei ihren Töchtern (sog. Type I) zu erlauben

Das Foto zeigt Mohamed Kandeel, Professor für Gynäkologie und Geburtshilfe an der Universität in Menofiya, Ägypten und Mitglied der Genfer Stiftung für Medizinische Ausbildung und Forschung, die ihm regelmäßig eine Plattform für seine Veröffentlichungen bietet. ***

Kandeel publizierte aktuell einen Artikel mit dem Titel „Female genital cutting is a harmful practice. Where is the evidence?“. Darin behauptet er, Genitalverstümmelung habe keine negativen Folgen für die Opfer:

Laut Kandeel hat Genitalverstümmelung keine negativen Folgen:

„There is insufficient evidence to support the claims that genital cutting is a harmful procedure…We should ask ourselves what would be the percentages of these complications if FGC was performed in a well-equipped theatre by experienced personnel. They would probably not be different to any other surgical procedure…This may have overestimated the rate of complications in women with FGC who attended hospitals to deliver…“ usw. usf.

Kandeel ruft zur Legalisierung von Klitoridektomie mit islamischer Begründung auf:

„…Type I FGC (Ia is removal of the prepuce and Ib is removal of the prepuce and clitoris) according to hadith “Sunna type of circumcision”. This type of female genital surgery is equated with male genital surgery…Considering that the number of Moslems in the world ranks second, it seems logical to reconsider the legal attitude towards female circumcision and probably avoids the ban directed towards Sunna circumcision….“

Mohamed Kandeel fordert den Westen – bzw. Gesetzgeber weltweit – auf, Eltern das Herausschneiden der Klitoris bei ihren Töchtern zu erlauben:

„Law makers all around the globe are invited to review the legal situation of female circumcision…the procedure should be offered to parents who insist on it…Those who insist on circumcising their daughters should be allowed to do so…“

Der „Fall Kandeel“ zeigt einmal mehr, das die Forderung nach und Unterstützung von Genitalverstümmelung nichts mit „mangelnder Bildung oder Aufklärung“ zu tun hat, wie immer noch zahlreiche westliche Organisationen und Politiker behaupten, sondern insbesondere von gebildeten Eliten fokussiert wird.

Wer zu dem Schluss gelangt, dass Mohamed Kandeel aufgrund seines menschenverachtenden Aufrufs zur Duldung und Fortführung der Verstümmelung und Misshandlung weiblicher Kinder in Zukunft keine Plattform mehr bei der Genfer Stiftung für Medizinische Ausbildung und Forschung bekommen sollte, kann seinen Ausschluss hier fordern:

Geneva Foundation for Medical Education and Research
Villa Grand-Montfleury
Chemin du Grand-Montfleury 48
1290 Versoix – Switzerland

Phone +41 (0)22 3467716
Fax +41 (0)22 3467834
email info@gfmer.org
Web site http://www.gfmer.ch/

Eine Vorlage für einen Protestbrief gibt es hier.

*** Update 09. November 2012: Die internationale Protestwelle, mit der wir über zahlreiche soziale Netzwerke den Ausschluss von Mohamed Kandeel aus der Genfer Stiftung für medizinische Ausbildung und Forschung forderten, hat die Stiftung schnell und konsequent handeln lassen: Mohamed Kandeel wird bei dieser Stiftung nicht länger eine Plattform geboten. Er wurde aus der Mitglieder- und Publizistenliste entfernt. Dieses umgehende Handeln kann durchaus als Statement verstanden werden, die Leugnung und Negierung der Folgen von Genitalverstümmelung und den Aufruf zur Legalisierung und Weiterführung dieses Verbrechens nicht zu dulden sondern strikt zu ächten.

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Feedback

  1. Isabella Bieringer says:

    i agree against femal genital cutting because it is an inhuman practice which has bien to be forbitten since years. And everybody that force for this inhume practice should inspire if he would like the same for his own toughters! And if not, the should be honerst! I could never agree with that tretment for my own thaughter!!! What problem have all that men?

  2. Dieser Bericht geht am Wesentlichen vorbei. Kandil hat ein mächtiges Argument auf seiner Seite, nämlich das des Sexismus. Darauf geht dieser Artikel mit keinem Wort ein. Kandil schreibt:

    „The ban against FGC seems to be gender based, especially because no similar act was taken against male circumcision. If male circumcision is considered safe by anti FGC groups, they should advise how to render FGC as safe as male circumcision instead of enforcing the ban against it.“

    Der deutsche Gesetzgeber hat zu diesem Schlag geradezu eingeladen. Daher trifft ihn dieses Argument jetzt mit voller Wucht. Es wird nicht das letzte dieser Art gewesen sein.

    Die TaskForce sollte endlich ihren Kopf aus dem Sand nehmen und sich umschauen. Die ausdrückliche Legalisierung der männlichen „Beschneidung“ in Deutschland ist ein gewaltiger Rückschlag für den Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung. Eine klare Positionierung für das Recht auf genitale Integrität, unabhängig vom Geschlecht, ist jetzt geboten.

  3. Stefan S says:

    Es war nur eine Frage der Zeit, bis jemand im Fahrwasser der Debatte über die
    Verstümmelung von Jungen versucht, auch die bereits geächtete FGM wieder
    salonfähig zu machen.
    Unsere deutsche Bundesregierung hat mit dem Entwurf zu §1631d BGB solchen
    Versuchen Tür und Tor geöffnet, und sollte dieses Gesetz Wirklichkeit werden, so
    bedeutet dies nicht nur eine massive Entrechtung für Jungen, sondern bringt auch die
    Gefahr mit sich, daß der bisher erreichte Schutz der Mädchen aufgeweicht wird.

  4. B. Schneider says:

    Recht hat er: wer Knabenbeschneidung erlaubt und damit Männern die sexuelle Selbstbestimmung raubt, der hat keine Argumente gegen Typ I – Mädchenbeschneidungen.

  5. Cees van der Duin says:

    Die Beschneidung der Männer und Frauen ist der schafiitischen Rechtsschule des sunnitischen Islam religiös verpflichtend. Schafiiten siedeln vor allem in Malaysia, Indonesien, aber auch die muslimischen Kurden im Nordirak meistens Schafiiten.

    A Cutting Tradition
    By SARA CORBETT
    January 20, 2008

    http://www.nytimes.com/2008/01/20/magazine/20circumcision-t.html?_r=0

    Inside a Female-Circumcision Ceremony
    Photo: Stephanie Sinclair

    http://www.nytimes.com/slideshow/2008/01/20/magazine/20080120_CIRCUMCISION_SLIDESHOW_index.html

    Auch die v. a. im indisch-pazifischen Gebiet lebenden Dawoodi Bohra (zu den Siebenerschiiten zählend) praktizieren Islamic FGM, hier ein Fall aus Australien, ein örtlicher Kleriker (Scheich) hatte die Beschneidungen theologisch gebilligt:

    http://www.newenglishreview.org/blog_direct_link.cfm/blog_id/43892

    — break the silence —

    http://breakthesilencespeakthetruth.wordpress.com/

    PAKISTAN-INDIA: Women Expose Secret Genital Cutting Rite
    By Zofeen Ebrahim

    http://www.ipsnews.net/2012/01/pakistan-india-women-expose-secret-genital-cutting-rite/

  6. Damienn D. says:

    Done, with the following addition I attached to the form-letter:

    It seems that those who are arguing for FGM haven’t thought this issue through or deviously propagate for its continuation.
    As they realize that many people are against it, they pretend to give a solution for a hopeless problem by offering the mutilation to be performed by skilled medical professionals. Problem is they forget the basic rule everyone in the medical profession should follow: DO NOT HARM! A surgeon cuts into a patient TO HEAL them – to remedy a physical problem by removing the cause of the problem or the gangrenous body tissue. But there is no medical problem with the children who are facing to be mutilated, so the surgeon commits a crime by removing healthy tissue – anesthetized or not. The reasoning to let medical professionals do it to alleviate pain and prevent infections may sound scientific but as soon as we direct our focus back to the source of the issue as to why mutilate children at all, renders their argument invalid and lawless.
    The solution is not for medical personnel to perform a crime but to stop it by enforcing existing law, which is the responsibility of politicians and executive authorities.
    So thumbs down for this pseudo-scientific suggestion and shame on their proponents and apologists.

  7. Elke Heye says:

    Unglaublich, daß das ein Professor sein soll. Entzieht ihm seine Probation. Er darf nicht weitere Schäden anrichten.
    Sein männlicher Chauvinismus ist empörend.

  8. Monika Ederer-Mosing says:

    Heute stieß ich auf den erschütternden Artikel von Abigail Haworth „The day I saw 248 girls suffering“ auf richarddawkins.net. Es ist unglaublich, wie diese TäterInnen ihre Verbrechen als gut und wertvoll hinstellen. Daher habe ich diese Website hier aufgesucht, um nach diesem Irrsinn wieder in Gesellschaft normal empfindender Menschen zu kommen.

  9. Gerhard says:

    Schade, dass sich Taskforce nicht gegen die Genitalverstümmlung von Mädchen und Jungen einsetzt.

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  3. Das Recht auf Verstümmelung…

    Es gab 2012 zwei Urteile zum Thema „Strafbarkeit von Beschneidungen nicht einwilligungsfähiger Jungen aus rein religiösen Gründen“, über die stark diskutiert wurde. Diese Diskussion gipfelte in einem neuen Gesetz, das genitale Verstümmelung von Junge…

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