Rund 1.400 Mädchen in Hamburg von Genitalverstümmelung bedroht.

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In Hamburg besteht für rund 1.400 Mädchen das Risiko, einer Genitalverstümmelung unterworfen zu werden. Doch die Opfer bleiben meist „unsichtbar“ und erhalten i.d.R. keinen Schutz

Genitalverstümmelungen an Mädchen zählen zu den am weitesten verbreiteten Kinderrechtsverletzungen unserer Zeit: Jedes Jahr werden mehr als drei Millionen Mädchen Opfer dieser Gewalt.

Diese Misshandlungen werden nicht nur weit weg – in afrikanischen, arabischen und asiatischen Ländern – verübt, sondern sind auch bei uns ein epidemisches Problem: Sowohl in Europa als auch in Deutschland werden Genitalverstümmelungen nahezu unvermindert weitergeführt. Bis zu 80% der hier lebenden bis zu 50.000 gefährdeten Mädchen (d.h. mit entsprechendem Migrationshintergrund) werden der Verstümmelung unterworfen – oft während sog. „Ferienreisen“.

Die Statistik zeigt, dass in Hamburg bis zu 1.400 minderjährige Mädchen als gefährdet gelten, davon 450 aus Hochrisikoländern (Verstümmelungsrate 50% und höher). Sie schließt erstmals wichtige Risikogruppen ein, die bislang unberücksichtigt blieben wie z.B. Jemen, Irak, Indonesien und Malaysia.

Und jährlich werden in Hamburg zwischen 150 und 250 Mädchen mit mindestens einem Elternteil aus einem FGM (=Female Genital Mutilation = weibliche Genitalverstümmelung) verübenden Land geboren, die ebenfalls gefährdet und schutzbedürftig sind: Die TaskForce verweist darauf, dass rund die Hälfte der bisherigen Gerichtsbeschlüsse den Schutz von Mädchen aus bi-nationalen Partnerschaften zum Gegenstand hatte.

Die Fakten stehen im Widerspruch zu Aussagen von Plan International, es gäbe in Hamburg „keine Genitalverstümmelungen“.

Die tatsächliche, enorm hohe Verstümmelungsgefahr für Mädchen, die in Hamburg leben, wird von den Hamburger Behörden bislang völlig ignoriert: Das Amt für Arbeit, Soziales, Familie und Integration beruft sich in einer Handlungsempfehlung auf Aussagen des Vereins Plan International, nach denen „Genitalverstümmelungen in Hamburg nicht stattfinden“ und lediglich „15 minderjährige Mädchen von Genitalverstümmelung betroffen“ seien.

Plan International war zu diesen „Ergebnissen“ gelangt, indem der Verein Selbstauskünfte (Face-to-Face-Interviews) von Personen aus den Risikogruppen eingeholt hatte, die  fast alle über die Rechtslage in Deutschland und die Strafbarkeit von Genitalverstümmelungen informiert sind.

Nun ist die Tatsache, dass Menschen, die Genitalverstümmelungen verübt haben bzw. planen, erwartungsgemäß falsche Aussagen tätigen sobald sie die Strafbarkeit kennen, wissenschaftlich fundiert: Bereits im Jahr 2002 belegte der Population Council anhand mehrerer Studien die massive Verfälschung von Selbstauskünften im Zusammenhang mit Genitalverstümmelung und kam zu dem logischen Schluss dass, um nachzuprüfen, ob die Angaben über Genitalverstümmelung wahrheitsgemäß sind – eine klinische Untersuchung erforderlich ist.

Auch Deutschlands führender Evaluationsforscher, Prof. Dr. Reinhard Stockmann, Universität Saarbrücken, bestätigt, dass Datenerhebungen über die Einstellung oder geplante bzw. bereits erfolgte Verübung von Genitalverstümmelungen, die durch Befragungen oder gar Fokusgruppeninterviews gewonnen werden, keinerlei Aussagewert besitzen.

 „Wenn wir uns einmal vorstellen, es wäre in Deutschland üblich,

Die TaskForce setzt sich beim Hamburger „Runden Tisch gegen Genitalverstümmelung“ dafür ein, dass sämtliche Mädchen, die in Hamburg leben und von Genitalverstümmelung bedroht sind, sicheren Schutz erhalten.

dass potentielle Täter die Verübung oder Planung so schwerer Straftaten wie Kindesmisshandlung, sexualisierter Gewalt und anderer Gewaltverbrechen ehrlich angeben, dann hätten die Strafverfolgungs- und Kinderschutzbehörden behörden wohl relativ wenig zu tun. In Wahrheit ist dies undenkbar.“ meint die Vorstandsvorsitzende der TaskForce, Ines Laufer „Es ist schlichtweg rassistisch zu glauben, dass (potentielle) Verstümmelungs-Täter so dumm oder minderbemittelt seien, ihre Tat gegenüber Behörden oder Vereinen wie Plan International wahrheitsgemäß anzugeben. Somit ist es verantwortungslos bzw. respektlos gegenüber den Opfern und der Öffentlichkeit, zu behaupten Genitalverstümmelungen fänden in Hamburg nicht statt und minderjährige Mädchen seien nur in Einzelfällen betroffen.“

Eine Gefährdung besteht grundsätzlich für alle Mädchen, deren Eltern bzw. ein Elternteil einem Verstümmelungsumfeld entstammt – und zwar unabhängig von der nach außen getragenen Befürwortung oder Ablehnung dieser Gewalt. Spätestens dann, wenn die minderjährigen Mädchen diesem Täterumfeld zugeführt werden sollen (z.B. während sog. „Ferienreisen“) konkretisiert und potenziert sich diese Gefahr.

Die TaskForce engagiert sich mit aller Kraft dafür, dass auch in Hamburg die gefährdeten Mädchen vor der Genitalverstümmelung geschützt werden, setzt sich bei dem „Runden Tisch“ kontinuierlich kritisch mit Behörden und Vereinen wie Plan International auseinander und fordert die Umsetzung umfassender, wirksamer Schutzmaßnahmen.

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4 Kommentare

  1. […] alles andere als ein Randthema: Bis zu 50.000 minderjährige Mädchen gelten als gefährdet, 1.400 allein in der Hansestadt Hamburg und in Nordrhein-Westfalen finden wir die höchste Konzentration hochgefährdeter […]

  2. […] alles andere als ein Randthema: Bis zu 50.000 minderjährige Mädchen gelten als gefährdet, 1.400 allein in der Hansestadt Hamburg und in Nordrhein-Westfalen lässt sie die höchste Konzentration hochgefährdeter […]

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