Genitalverstümmelung ist KEINE „afrikanische Tradition“

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„Genitalverstümmelung ist ein Mittel von vielen, um Frauen zu unterwerfen – das ist der Kontext, in dem man dieses Phänomen begreifen muss.“

Amouna Ngouonimba stellt in seinem aktuellen Buch L’Excision aux sources d’une longue tradition et coutume Eurasiatique die Wahrnehmung weiblicher Genitalverstümmelung als „afrikanische Tradition“ auf den Kopf:

Der aus Kongo stammende Autor, der in Frankreich lebt und sich in der Organisation Uhem-Mesut engagiert,  nimmt die Leser/innen mit auf eine Reise durch verschiedene Epochen und zeigt auf, dass Genitalverstümmelungen weit davon entfernt sind, „eine afrikanische Tradition zu sein“ – als die sie heute meist dargestellt werden. Die TaskForce hatte im April 2011 Gelegenheit mit dem Autor zu sprechen:

„Female Genital Mutilation is first of all an instrument to oppress women – and we need to understand this phenomenon in that context.“

With „L’Excision aux sources d’une longue tradition et coutume Eurasiatique“, here is a new book out about the issue of Female Genital Mutilation – and it is suited to turn the courant perception of FGM upside down: The author, Amouna Ngouonimba, takes the readership to a journey through different eras – showing that the practice of Female Genital Mutilation is far away from being an “African tradition” – as frequently claimed today. It is much more the result of a violent process of continued imposal of foreign laws, traditions, norms and religions, especially by Eurasian/Arabic occupants.

TaskForce: Amouna, Sie möchten mit Ihrem aktuellen Buch „L’Excision aux sources d’une longue tradition et coutume Eurasiatique“ einen Beitrag für die Beendigung der Genitalverstümmelung an Mädchen und Frauen leisten. Warum ist Ihnen dieses Thema so wichtig?

Amouna Ngouonimba: Richtig – ich widme mein Buch den Bemühungen um die endgültige Abschaffung der Genitalverstümmelung an Mädchen und Frauen in Afrika (für das ich den ursprünglichen Namen „Kemeta“ verwende). Es geht mir darum, zu den Wurzeln dieses Problems zu gehen und damit konkrete Lösungen aufzuzeigen. Gegen die Verstümmelung von Mädchen vorzugehen bedeutet, gegen die Animalisierung der Frauen, unserer Mütter, vorzugehen und es sind viele Gründe, die mich motivieren. Drei Prinzipien möchte ich hervorheben:

1. Keine Frau – egal welcher Herkunft oder aus welcher Kultur sie stammt – darf  Opfer von Gewalt werden: Es gibt keine Rechtfertigung für die Verübung von Gewalt gegen Frauen, für ihre Unterwerfung  unter das Geschlecht, das ideologisch als „das Starke“ deklariert wird: den Mann. Es geht hier um die Beendigung sämtlicher Gewalt, die an Frauen verübt wird.

2. Uns sind die Folgen und die Traumatismen bewusst, die durch die Verstümmelungen verursacht werden: Die Zerstörung der weiblichen Genitalien führt nicht nur zu unzähligen Problemen bei Schwangerschaft und Geburt, sondern tötet die Libido und Freude an Sexualität. Und nicht zu vergessen all die Mädchen, die diesen Akt der Barbarei nicht überleben. Im Grunde werden den Opfern die Möglichkeiten und Freuden eines ganz normalen Lebens genommen. Darum sprechen wir uns offen gegen diese Praxis aus, die unsere Mütter zu Krüppeln macht.

3. In der ursprünglichen „Afrikanischen Tradition“ wird die Frau als „heilig“ angesehen – und zwar nicht nur in Worten, sondern in einer Weise, die gelehrt und umgesetzt wird: Die fundamentale Basis jeder sozialen Struktur in Afrika bildete das Matriarchat – die Säulen der Gesellschaft waren Frauen. Deshalb liegt es auf der Hand, dass die gewalttätigen Angriffe gegen Frauen sich nicht nur gegen deren persönliche Würde richten, sondern auch die spirituelle Kraft schwächen, die unsere Gesellschaft organisiert und zusammenhält.

Die heutige Schwäche Afrikas (Kemetas) ist direkt auf die fortgesetzte Gewalt gegen seine wichtigste Kraft – die Frauen und Mütter – zurückzuführen.

Wir haben also keine andere Wahl als Genitalverstümmelungen zu beenden: Das Überleben unseres sozialen Modells hängt davon ab.

TF: Was können Sie über die Intention der Genitalverstümmelung sagen? Aus welchem Grund werden weibliche Kinder der Verstümmelung unterworfen?

Amouna: Die Gründe für Genitalverstümmelung lassen in drei Begriffen zusammenfassen: Unterwerfung von Frauen, ihre Abwertung/Geringschätzung und Degradierung zum Objekt. Die Ursprünge von Genitalverstümmelungen finden wir in der griechisch-römischen Antike, wo Frauen weniger als Menschen angesehen wurden, sondern eher als Tiere, Objekte und Sklaven. Diese Einstellung gegenüber Frauen spiegelt sich u.a. in vielen historischen Quellen der griechisch-römischen Philosophen wie Platon und Aristoteles, deren Ansichten ich in meinem Buch wiedergebe.

Auf die Stufe eines Objekts degradiert, waren Frauen der Willkür von Männern ausgeliefert: Im patriarchalen System der Antike waren es Männer, die über Leben und Tod ihrer Frauen und Kinder entschieden. Als Konsequenz sind Genitalverstümmelungen als Ausdruck männlicher Interessen und Intentionen zu sehen – und zwar im Kontext der Unterwerfung und Objektivierung von Frauen (die wir auch in anderen Manifestationen wiederfinden, wie z.B. Keuschheitsgürteln, der Isolation von Frauen in Harems zur vollständigen Kontrolle ihres Lebens und ihrer Sexualität, bis hin zur Kastration von Frauen)…

Genitalverstümmelungen sind in erster Linie ein Instrument zur Unterwerfung von Frauen – das ist der Kontext, in dem wir dieses Phänomen begreifen müssen.

TF: In Ihrem Buch zeigen Sie auf, dass Genitalverstümmelungen keine „Afrikanische Tradition“ sind, wie es immer dargestellt wird – sondern, dass diese Praktik (die aus dem eurasischen und arabischen Raum stammt) den afrikanischen Gesellschaften aufgezwungen wurde. Wie ging dieser Prozess vonstatten?

Amouna: In meinem Buch benenne ich historische Fakten die erklären, wie Genitalverstümmelungen (und andere Formen von Gewalt gegen Frauen) auf dem afrikanischen Kontinent verbreitet wurden: Die afrikanischen Gesellschaften waren verschiedenen Invasionen fremder Besatzer (vor allem aus dem eurasischen und arabischen Raum) ausgesetzt.

Das Alte Ägypten zum Beispiel war Angriffsziel diverser Mächte – unter anderem der Ptolomäer (um 200 v. Chr.), die ihm ihre eigenen Normen und Gesetze aufzwangen und eben auch Genitalverstümmelungen, für die von Medizinern im antiken Rom und Griechenland bereits präzise Techniken entwickelt worden waren.

Die Religion der Invasoren hat bei der Verbreitung eine wichtige Rolle gespielt, denn sie war und ist ein perfektes Instrument, um die fremden Normen und Gesetze durchzusetzen, zu denen auch die Genitalverstümmelung an Mädchen und Frauen gehört: Auch in arabischen Ländern gehörten Genitalverstümmelungen zum „Brauchtum“. Deshalb haben afrikanische Gesellschaften, die die entsprechende Religion – den Islam – angenommen haben, auch die Genitalverstümmelungen übernommen.

Das ist auch der Grund, weshalb wir mit einem Blick auf die Landkarte Afrikas erkennen müssen, dass jene Länder, die islamisiert wurden, auch die höchste Prävalenz an Genitalverstümmelungen aufweisen.

Fortsetzung des Interviews folgt in Kürze…

Das Buch ist aktuell auf Französisch erhältlich. Sie können es für 24,95€ (inkl. Versand) per E-Mail an mba.narmer@uhem-mesut.com bestellen.

Die Überweisung erfolgt an Uhem-Mesut:

IBAN : FR76 1940 6000 0300 0669 0118 715
SWIFT : AGRIFRPP894

Hier noch ein persönliches Interview (Französisch) mit dem Autor:
http://www.dailymotion.com/video/xhkq2f_l-excision-une-tradition-eurasiatique-devoilee-le-livre_news 

Also, the author is going back to the veritable roots of “African traditions” – unveiling social structures which are incompatible with violence like Female Genital Mutilation. He describes how these original structures have been undermined, disbanded and replaced by the structures of the different foreign occupants – and how it became possible that FGM has been spread over the continent.

Amouna Ngouonimba is originally from Congo. Today, he is living in France and he is engaged with organisation Uhem-Mesut which aims to detect, to rehabilitate and to re-adopt the original ancestral African Traditions as a source of sustainable amelioration of the social conditions at the African continent (Kemeta).

TaskForce: Amouna, with your book about the roots of Female Genital Mutilation (FGM) you would like to contribute to the efforts to abandon this violent practice. Why is it so important to stop FGM?

Amouna Ngouonimba: We do indeed dedicate our courant book to the efforts to stamp out the scourge called Female Genital Mutilation from Africa (we use the ancient word “Kemeta”). In this sense, we deliver a concrete solution by going to the roots of the problem. By fighting Female Genital Mutilation, we fight the “animalisation” of women – of our mothers – and there are numerous reasons motivating us. Let me give you just three principles:

1. Not a single woman – whatever her origin or culture is – should be submitted to any kind of violence. Nothing can justify the violence against women and their submission under a gender that has been declared “strong” by ideology: Men. Finally, we fight all forms of violence against women.

2. We are well aware about the consequences and all trauma caused by these mutilations: The destruction of the female genitalia does not only lead to various problems during pregnancy and childbirth but kills her libido and sexual pleasure. Not to forget all the girls who die after being subjected to these barbaric acts. In fact, Female Genital Mutilation deprives women of the pleasures and excitements of a “normal life”. That’s why we openly denounce this practice that leaves our mothers handicapped.

3. If we go back to the real “African Tradition”, we find women to be sacred and divine – not only in simple slogans, but in effective instructions and handlings: Matriarchy has been the fundamental base of every social organisation in Africa: Women are the pillars of the society. Therefore, to attack and aggress women does not only mean to detract her dignity, but also to directly menace the spiritual power which consolidates and organises the society. Today, Africa (Kemata) appears faint because women and mothers – the most important force of the societies – suffer continued violence. So, there is no other solution than to end all forms of violence against women – as the survival of our social model depends on it. That’s why, it is so important – and even indispensable – to stop Female Genital Mutilation.

TaskForce: What can you say about the intention/s of Female Genital Mutilation? Why is FGM perpetrated against female children?

Amouna: There are three basic reasons to be found: Submission, Disregard and even Objectification of women. The origin of Female Genital Mutilation can be found in Eurasian societies (i.e. ancient Greece and Rome) – where women have never been treated like adequate human-beings – but more regarded as animals, objects or slaves.

The reflection of this attitude towards women, we find in the very common opinions of the Greco-Roman philosophers like Plato and Aristotle, whose thoughts I share in my book. Regarded as a thing or even piece of furniture, women are delivered to the disposal of men:

With the Greco-Romans, the patriarchal system allowed the men/the fathers to have the right about life or death of their women and children. Consequently, the mutilation of women is based on male intentions and interests – in the context of submission and objectification of women (which also can be found in other manifestations, such as chastity belts, isolation of women in harems to fully control their lives and their sexuality, and even the castration of women):

For instance, there was (and still is) the belief in Eurasian societies that the genitalia of women are ugly and therefore need to be mutilated. Also, the mutilations have been implemented to control the libido and sexuality of women…

Female Genital Mutilation is first of all an instrument to oppress women – and we need to understand this phenomenon in that context.

TaskForce: In your book, you show that Female Genital Mutilation is NOT an “African tradition” as often referred to – but an Eurasian practice that has been imposed to African societies. How did this process happen?

Amouna:  Right, in my book I am citing the historical facts that explain how Female Genital Mutilation (and other forms of violence against women) have been spread through the African continent: African societies have been suffering various aggressions by foreign offenders coming from Eurasia. For instance, the ancient Egypt has been the target of different invasions, amongst others from the Greco-Romans (Ptolémies). One result of these occupations was the violent inforcement of foreign laws and norms including Female Genital Mutilation (which have been a “flourishing industry” with the Greco-Romans).

The Religion of the occupant must be considered to have played an important role as it was a perfect vehicle to impose and to establish the new foreign legislation and norms, such as the mutilation of women: As FGM has been practiced in Arabic countries, those African societies who underwent the implementation of the Arabic religion – Islam – ended up by adopting the mutilation of women too.

This is the reason why we can clearly see at the cartography, that in those African countries/ societies that adopted Islam as religion, the highest prevalence of FGM is to be found.

To order the book (in French) for 24,95 € (incl. mailing expenses) please send an e-mail at:  mba.narmer@uhem-mesut.com

The wirement of the amount should be adressed at Uhem-Mesut:

IBAN : FR76 1940 6000 0300 0669 0118 715

SWIFT : AGRIFRPP894

The second part of the interview is comin soon…

Please, find here a peronal intverview (in French) with the author:

http://www.dailymotion.com/video/xhkq2f_l-excision-une-tradition-eurasiatique-devoilee-le-livre_news

2 Kommentare

  1. […] Was die Ursachen dieser systematischen Gewalt angeht, drückt es für mich am treffendsten der aus Kongo stammende Autor Amouna Ngouonimba aus, der in seinem aktuellen Buch die Wahrnehmung weiblicher Genitalverstümmelung als “afrikanische Tradition” gerade auf den Kopf stellt: “Die Gründe für Genitalverstümmelung lassen sich in drei Begriffen zusammenfassen: Unterwerfung von Frauen, ihre Geringschätzung und Degradierung zum Objekt. Genitalverstümmelungen sind in erster Linie ein Instrument zur Unterwerfung von Frauen – das ist der Kontext, in dem wir dieses Phänomen begreifen müssen.” (Quelle: Interview mit dem Autor) […]

  2. […] Gegenteil – Genitalverstümmelung muss in diesen Ländern als Symptom und Folge der Verdrängung und Überlappung ursprünglicher, gewachsener Kultur durch den Islam und seine Dogmen gesehen […]

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