Genitalverstümmelung in Ägypten: Schon wieder Mädchen tot.

Tolle Spendenaktion von HDI: Nikoläuse für Mädchenschutz
20. Dezember 2019
Die politischen Lippenbekenntnisse zum „Tag gegen Genitalverstümmelung“
3. Februar 2020

Ihr Name war Nada. Sie wurde nur 12 Jahre alt. Sie starb jetzt an den Folgen jenes Horrors, den immer noch rund 90% der Mädchen in Ägypten erleiden müssen: der Verstümmelung ihrer Genitalien durch das Herausschneiden der Klitoris und Labien.

Ägypten gehört nach wie vor zu den Ländern mit dern weltweit höchsten Verstümmelungsrate, d.h. nahezu die gesamte weibliche Bevölkerung – wird dieser Gewalt unterworfen, um sie an der Entwicklung einer eigenständigen Sexualität zu hindern.

Gerade am Beispiel Ägypten wird sehr deutlich, dass die Aufrechterhaltung dieser Gewalt weder mit fehlenden Kenntnissen der Folgen noch mangelnder Bildung bzw. Aufklärung zu tun hat:

Bereits ihre flächendeckende Verbreitung verweist darauf, dass die Verstümmelung von Mädchen in allen sozialen Schichten verübt wird: Fast jedes Mädchen (92%) in den hochgebildeten Familien wird genital verstümmelt. Entgegen einiger medialer Berichte gibt es keine validen Belege für einen Rückgang.

75% der Verstümmelungen werden von gebildeten Medizinern verübt, die sich aus persönlichen monetären Interessen massiv für die Weiterführung der Verstümmelungen einsetzen. So wurde auch Nada in einer Klinik verstümmelt und dabei so schwer verletzt, dass sie die Tortur nicht überlebte.

Besonders Islamisten machen sich für die Legalisierung der Genitalverstümmelung stark und die Muslimbrüder boten aktiv die Tat für wenig Geld in mobilen Kliniken an.

Die Ursache der anhaltend hohen Verstümmelungsrate ist die Tatsache, dass weder Verstümmelungs-Täter noch die anstiftenden Familien bisher strafrechtliche Konsequenzen zu befürchten hatten. Das erkennen mittlerweile auch Aktivisten vor Ort und schlussfolgern: „it can be stopped only by enforcing the law.”

So wird auch der Arzt, der Nada tötete ebenso wie ihre Eltern keine nennenswerte Strafe erhalten, obwohl sie aktuell medienwirksam in Gewahrsam genommen wurden. Bisher mussten sich keine Täter in dem Land ernsthaft für dieses schwere Gewaltverbrechen verantworten, was nicht verwundert, denn der Leiter des  Women’s Centre for Guidance and Legal Awareness  bringt es in einem aktuellen Statement auf den Punkt: „Die Richter sind selbst nicht davon überzeugt, dass die Genitalverstümmelung ein Verbrechen ist, das bestraft werden muss.“ Mehr noch, es ist davon auszugehen, dass auch unter den Richtern eine nicht unerhebliche Anzahl ihre Töchter verstümmeln lässt – was allein die extrem hohe Verstümmelungsrate nahelegt.

Erst im Jahr 2008 wurde in Ägypten die Verstümmelung von Mädchen durch Mediziner wieder legalisiert: Sie müssen lediglich deren “Notwendigkeit” attestieren…

weitere Artikel zum Thema:

– Ägypten legalisiert Genitalverstümmelung (2010)

– Warum “Information und Aufklärung” im Kampf gegen Genitalverstümmelung nicht zum Ziel führt – und wie sich der Westen damit zum Komplizen macht (2011)

– Ägyptischer Professor fordert vom Westen, Genitalverstümmelung zu erlauben (2012)

Symbolfoto: (c) Hosam El-Din / Flickr

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.