Der SPIEGEL präsentiert uns die Verstümmelung von Mädchen als „einfache Sache“, die „Zack Zack“ geht

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Ein Kommentar von Ines Laufer

Seit fast 25 Jahren beschäftigt mich die genitale Verstümmelung von Mädchen als eine der schwersten systematischen Misshandlungen von Kindern, als eine Manifestation sadistischer Kollektivgewalt gegen die schwächsten Mitglieder der Gesellschaft mit dem Ziel, ihre freie Entfaltung zu verhindern, sie zu kontrollieren und „verfügbar“ zu machen.

An der weitgehenden Gleichgültigkeit unserer Gesellschaft und der Internationalen Gemeinschaft hat sich seitdem kaum etwas geändert. Achselzuckend nehmen wir hin, dass bis zu 50.000 Mädchen vor unserer eigenen Haustür schutzlos dieser Gewalt überlassen werden, weil die Regierung lieber die Täter schützt als die gefährdeten Kinder; dulden tausende Spender, dass Patenkindorganisationen wie World Vision, Kindernothilfe und Plan International hunderttausende Patenmädchen der Verstümmelung ausliefern, obwohl sie sie wirksam schützen könnten, machen Millionen Deutsche Urlaub in Verstümmelungsgesellschaften wie Ägypten, Kenia, Gambia usw – als sei es nicht zutiefst unethisch und abstoßend, sich freiwillig und mehrheitlich (!) mit Gewalttätern zu umgeben, die ihren Töchtern bei lebendigem Leib die Genitalien abschneiden lassen.

Und dann stolpere ich über Beiträge wie aktuell im SPIEGEL und begreife, dass diese Gleichgültigkeit auch mit der fortgesetzten medialen Sedierung der Menschen zu tun hat, mit Verharmlosung, Bagatellisierung und widerlichster Manipulation durch Falschinformation unter pseudojournalistischem Deckmantel.

„Die Sache war ganz einfach“…Beschneidung beim Arzt ging zack, zack“

Glauben wir dem, was uns vom SPIEGEL als „O-Ton“ einer Betroffenen aus Ägypten verkauft wird, dann ist die Verstümmelung von Mädchen eine Bagatelle, die „ganz einfach“ und „zack zack“ geht – als ginge es ums Fingernägel-Schneiden. In jedem zweiten Satz wird diese Gewalt als „Beschneidung“ verharmlost und es wird so getan, als wüssten die Täter/innen nicht, was sie da eigentlich tun und müssten erstmal aufgeklärt werden. Die Täter werden wieder einmal aus der Verantwortung genommen und gleichzeitig als dumm hingestellt – was sie jedoch bei weitem nicht sind. Sie wissen genau, was sie tun!

 Vorzeige-Imam soll von Genitalverstümmelung als islamisch legitimierter Gewalt ablenken

Ein Vorzeige-Imam wird uns als großer Aufklärer präsentiert – nur um das Offensichtliche nicht das thematisieren zu müssen: Dass die Verstümmelung von Mädchen eine überwiegend islamisch legitimierte Gewalt ist, in der sich die Unterwerfung von Frauen unter männliche Besitzansprüche und einen geradezu pathologischen Jungfräulichkeitswahn in perversester Weise manifestiert.

Von Anfang an war der Islam einer der Haupt-Motoren für die Verbreitung der Verstümmelungen über den afrikanischen Kontinent – und ist heute quasi DIE Legitimation, mit der diese Misshandlungen massenhaft auch in Asien etabliert werden, wie in Indonesien, Malaysia, Thailand und selbst auf den Malediven.

Besonders die Shai’iten fordern die Genitalverstümmelung als „religiöse Pflicht“, andere Rechtsschulen befürworten und dulden sie. Auch die im Artikel erwähnte Al-Azhar Universität reiht sich da ein – trotz einer halbherzigen Fatwa gegen die Verstümmelungen: Gelehrte dieser Universität propagieren die Verstümmelungen öffentlich.

Ein Ende der Verstümmelungsgewalt ist politisch nicht gewollt – und die Welt schaut tatenlos zu

In Ägypten und in jedem anderen Land, in dem weibliche Kinder durch die Genitalverstümmelung zugerichtet werden, könnte diese Gewalt innerhalb kürzester Zeit abgeschafft werden – allein es ist politisch nicht gewollt, denn die Täter und Befürworter sitzen auch in Parlamenten, Regierung und Behörden.

Ähnlich wie die Verstümmelung weiblicher Füße in China kann die Genitalverstümmelung nur durch konsequente Ächtung und Bestrafung der Täter beendet werden, indem regelmäßige Unversehrtheitskontrollen umgesetzt und besonders die anstiftenden Familienmitglieder hart bestraft werden. So ist es allein die fehlende Umsetzung bestehender Verbote, die die Täter in ihrem Tun bestärkt.

Auch in China hatte man jahrhundertelang versucht, durch gutes Zureden die Tätergruppen von einer Abkehr dieser Misshandlung zu bewegen. Erfolglos. Erst als die Täter mit harten Strafen belegt wurden, endete der Wahnsinn innerhalb kürzester Zeit.

Das Gleiche – also erfolglose „Aufklärungsversuche“ –  finden seit Jahrzehnten (!) in Ägypten statt und werden uns auch jetzt vom SPIEGEL als probate Beruhigungspille schmackhaft gemacht.

„Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“

Eins ist sicher: So lange hier im Westen nicht endlich auch von sogenannten Journalisten Klartext geredet wird, so lange die Verstümmelungen weiterhin verharmlost und bagatellisiert und diese Gewalt, die Täter und ihre pathologischen Gewaltkulturen nicht endlich in der Inakzepatbilität dargestellt werden, die ihnen gebührt, so lange wie der kausale Zusammenhang zwischen Genitalverstümmelungen und Islam aufgrund pervertierter Political Correctness geleugnet und verschleiert wird und so lange nicht massiver internationaler Druck auf die Verstümmelungs-duldenden Regierungen wie in Ägypten ausgeübt wird und so lange wie westliche Touristen nicht endlich diese Länder als Urlaubsziele meiden, so lange tragen auch wir eine Verantwortung dafür, dass dieses sadistische Verbrechen an Kindern nach wie vor möglich ist.

 

Weitere Fakten zu Genitalverstümmelungen in Ägypten gibt es hier.

 

Foto: (C) Shutterstock

 

3 Kommentare

  1. @Ines Laufer, ich stimme Ihnen zu, vermisse allerdings die Erwähnung der männlichen Genitalerstümmelung, auf die Vieles von dem, was Sie schreiben, ebenso zutrifft. Z. Bsp.: „… solange wie der kausale Zusammenhang zwischen“ weiblicher und männlicher Genitalverstümmelung ebenso wie der zwischen „Gentalverstümmelung und Islam … geleugnet und verschleiert wird …“ (im letzten Absatz)

  2. Sebastian Reinhard sagt:

    Der Islam gründet aber doch nicht zwingend auf der Unterdrückung von Frauen und schon garnicht der Genitalverstümmelung.
    Dass eine sehr konservative und in diesem Kontext sehr destruktive Form des Islams mit der Praktik der Verstümmelung eng verknüpft ist braucht keines Hinweises. Die Tatsache, dass die Praktik durch einen aufgeklärten Vertreter eines modernen Islams angeprangert wird, impliziert das ohnehin.
    Es ist schade, dass Sie bei all Ihrem, ohne Zweifel ehrbaren, Eintreten für positive Veränderung, einer Religion die Möglichkeit selbiger absprechen.

    • taskforce sagt:

      Sehr geehrter Herr Reinhard – bitte geben Sie doch praktische Belege für Ihre Behauptung, der „Islam gründe nicht zwingend auf der Unterdrückung von Frauen“ – uns fallen nämlich keine ein.
      Fakt ist, dass der Islam die einzige (!) Religion weltweit ist, in der die Verstümmelung von Mädchen explizit gefördert und gefordert wird – mit heute knapp 200 Millionen muslimischen Opfern:

      „Im islamischen Recht der Schafiiten gilt die männliche wie weibliche Beschneidung als wâdschib (farD), religiös verpflichtend. Alle anderen drei sunnitischen Rechtsschulen bejahen die weibliche Beschneidung, den Malikiten gilt sie als sunna (unbedingt nachzuahmen), den Hanafiten wie auch vielen Hanbaliten als makrumâ (ehrenwert), die übrigen Hanbaliten bewerten die FGM als religiöse Pflicht.“

      Es ist allein der Islamisierung Afrikas (und Asiens!) geschuldet, dass diese Gewalttaten flächendeckend verbreitet wurden und werden, siehe auch unser Interview mit dem Autor Amouna Ngouonimba: https://www.taskforcefgm.de/2011/05/genitalverstuemmelung-ist-keine-afrikanische-tradition/

      Die unheilvolle Verbindung von Islam und Genitalverstümmelung zu verschweigen ist leider unsere Sache nicht – auch wenn Ihnen das missfallen mag.

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