Tod eines Mädchens durch Genitalverstümmelung: Erster Strafprozess in Ägypten

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In Ägypten stehen erstmals Genitalverstümmelungs-Täter vor Gericht

Die 13-jährige Sohair al-Bata’a übelebte die Verstümmelung ihrer Genitalien nicht. Dem Arzt, der die Tat beging sowie ihrem Vater als Anstifter wird nun der Prozess gemacht.

Am 19. Juni beginnt in Ägypten der erste Strafprozess wegen der genitalen Verstümmelung eines Mädchens: Der 13-jährigen Soheir al-Batea war im Juni letzten Jahres von dem Arzt Dr. Raslan Fadl die Klitoris herausgeschnitten worden. Sie überlebte die Prozedur nicht.

„Suhair al-Bataas Eltern hatten den Arzt nach dem Tod ihrer Tochter sofort wegen eines tödlichen Behandlungsfehlers angezeigt. „Ich will, dass der Arzt zur Verantwortung gezogen wird. Ich will Gerechtigkeit für meine Tochter“, sagte die Mutter damals. Sie warfen dem Arzt vor, ihr Kind umgebracht zu haben. Die Eltern selbst waren sich keines Unrechts bewusst.“ schreibt der Spiegel.  

Fadl, auch als Imam tätig ist und regelmäßig Mädchen verstümmelte, erkaufte sich kurz nach der Tat für umgerechnet rund 9.000,-$ die Rücknahme der Anzeige durch die Eltern des Opfers, die daraufhin behaupteten, das Mädchen sei lediglich wegen Genitalwarzen behandelt worden und an einer Penizillin-Unverträglichkeit gestorben.

Der Fall wurde zunächst ad acta gelegt.

Erst aufgrund des Drucks verschiedener Organisationen – die Fadl als „dog right’s people“ tituliert – wurde die Akte wieder geöffnet und neben dem Täter Dr. Fadl auch der Vater des Mädchens angeklagt, der die Tat veranlasst hatte.

Es bleibt nun abzuwarten, ob und mit welchem Strafmaß beide tatsächlich verurteilt werden…

Hintergrundinformation:

Ägypten gehört nach wie vor zu den Ländern mit der weltweit

Weder in Ägypten noch in anderen Ländern werden Genitalverstümmelungen aus Unwissenheit verübt: Innerhalb der hochgebildeten Schicht Ägyptens sind 92% der Mädchen Opfer dieser Gewalt. 75% der Verstümmelungen werden von Ärzten verübt.

höchsten Verstümmelungsrate: 91% – d.h. nahezu die gesamte weibliche Bevölkerung – wird dieser Gewalt unterworfen, um sie an der Entwicklung einer eigenständigen Sexualität zu hindern.

Gerade am Beispiel Ägypten wird sehr deutlich, dass die Aufrechterhaltung dieser Gewalt weder mit fehlenden Kenntnissen der Folgen noch mangelnder Bildung bzw. Aufklärung zu tun hat:

Bereits ihre flächendeckende Verbreitung verweist darauf, dass die Verstümmelung von Mädchen in allen sozialen Schichten verübt wird: Fast jedes Mädchen (92%) in den hochgebildeten Familien wird genital verstümmelt. Entgegen einiger medialer Berichte (siehe Spiegel) gibt es keine validen Belege für einen Rückgang.

75% der Verstümmelungen werden von gebildeten Medizinern verübt (vor allem Krankenschwestern), die sich aus persönlichen monetären Interessen massiv für die Weiterführung der Verstümmelungen einsetzen.

Besonders Islamisten machen sich für die Legalisierung der Genitalverstümmelung stark und die Muslimbrüder boten aktiv die Tat für wenig Geld in mobilen Kliniken an.

Die Ursache der anhaltend hohen Verstümmelungsrate ist die Tatsache, dass weder Verstümmelungs-Täter noch die anstiftenden Familien bisher strafrechtliche Konsequenzen zu befürchten hatten.

Erst im Jahr 2008 wurde die Verstümmelung von Mädchen durch Mediziner wieder legalisiert: Sie müssen lediglich deren „Notwendigkeit“ attestieren…

weitere Artikel zum Thema:

Ägypten legalisiert Genitalverstümmelung (2010)

– Warum “Information und Aufklärung” im Kampf gegen Genitalverstümmelung nicht zum Ziel führt – und wie sich der Westen damit zum Komplizen macht (2011)

Ägyptischer Professor fordert vom Westen, Genitalverstümmelung zu erlauben (2012)

Fotos (c) The Guardian, Essam Saad

2 Kommentare

  1. […] wir im Juni berichteten, war am 19.06.2014 der Prozessauftakt für das erste ägyptische Strafverfahren, das den Tod eines […]

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