Genitalverstümmelung an Mädchen: Ausdruck eines allgemein gewalttätigen Familienumfeldes

Tag der Menschenrechte: Féenose veröffentlicht ihr neues Album „Albinos“
11. Dezember 2011
Genitalverstümmelung an Mädchen in Deutschland: Wirksamer Schutz ist Staatsaufgabe
2. Februar 2012
Zeige alle

Genitalverstümmelung ist Ausdruck eines gewalttätigen Familienumfeldes

Genitalverstümmelung wird i.d.R. in einem generell gewalttätigen Familienumfeld verübt - sowohl in den Herkunftsländern als auch in Deutschland/Europa

Genitalverstümmelungen sind in einer liebevollen familiären Umgebung undenkbar!

In der medialen Berichterstattung über das Thema „Genitalverstümmelung“ werden der Öffentlichkeit seit Jahren mit monotoner Regelmäßigkeit diverse „Bären aufgebunden“, insbesondere durch die Aussage, Eltern, die ihre Töchter genitalverstümmeln lassen, seien im Grunde fürsorgliche Menschen, die nur das Beste für ihre Kinder wollten. Es wird suggeriert, die Verstümmelung sei ein „einmaliger Ausrutscher“ in einer ansonsten liebevollen Familie.

Vertreter dieser fatalen Fehleinschätzung finden wir in sämtlichen Bereichen. Hier einige Beispiele:

Migrantinnen, die zwar oberflächlich vorgeben, sich gegen „Beschneidung“ einzusetzen, sich jedoch nach wie vor mit der Gewaltkultur identifizieren, aus der sie stammen, in erster Linie um Verständnis für die Täter werben und die Täterinteressen über die der Opfer stellen wie z.B. die Somalierin Jawahir Cumar, über deren fragwürdige Aktionen wir bereits in einem Blog-Artikel berichteten: „Die Eltern glauben ja, dass sie ihren Töchtern damit etwas Gutes tun“ behauptete sie in einem Interview mit dem ZDF.

Wissenschaftler wie der amerikanische Professor Gerry Mackie, der sich als ideologischer Gehilfe der verfehlten Strategie der Organisation Tostan betätigt, die Unsummen an Spendengeldern verschwendet und mit ihrem falschen Ansatz kläglich scheitert: „Parents love their children and want to do the best for them.“ schreibt er.

Organisationen und sogenannte Aktivistinnen wie Isabelle Ihring, die mit Terre des Femmes einen Verein vertritt, der in Deutschland Gewalttäter schützt und Mädchen der Genitalverstümmelung überlässt: Ihr Kommentar: „Die Eltern machen das ja nicht aus Grausamkeit, sie wollen das Beste für das Mädchen“

Westliche Politiker wie die ehemalige schwedische Familienministerin Berit Andnor, die mit ihrer misslungenen Appeasement-Politik mit dafür verantwortlich war, dass ein in Schweden aufgewachsenes Mädchen von seinem somalischen Vater ungehindert in sein Heimatland verschleppt, verstümmelt und zurückgelassen werden konnte. Die Sozialdemokratin schreibt in einer Regierungsbroschüre, dass Eltern, die ihre Tochter beschneiden lassen, dies nicht aus Grausamkeit täten.

Mythos elterliche Liebe

Im Januar 2007 widersprach die mit “1.000 Frauen für den Frieden” für den Friedensnobelpreis nominierte Menschenrechtlerin, Dipl. Psych. Monika Gerstendörfer dem  Trugschluss, „Eltern meinten es generell gut mit ihren Kindern“ und erinnerte daran, dass es sich dabei um eine durch nichts zu beweisende These handele:

Im realen Leben sei  das “Eltern-Kind-Verhältnis und das Erwachsenen-Kind-Verhältnis schon immer eines der schlimmst möglichen Gewaltverhältnisse”:

“Diese Aussage beeinhaltet die Annahme (oder ist es ein frommer Wunsch?) sowie die durch nichts zu beweisende These, dass Mütter und Väter  grundsätzlich “gut” zu ihren Kindern sind; nur das Beste für sie wollen.
Das ist falsch. Und:
Wer mit solch einer falschen These startet, landet unweigerlich bei  falschen Schlüssen.
Denn: Nirgendwo auf der Welt sind Eltern grundsätzlich gut zu ihren Kindern. Man öffne bitte die Augen und sehe sich den Zustand dieses Planeten an…!
Das Eltern-Kind-Verhältnis und das Erwachsenen-Kind-Verhältnis war schon immer eines der schlimmst möglichen Gewaltverhältnisse.
Weltweit werden Kinder geprügelt, sexualisiert misshandelt, verkauft, als Kindersoldaten missbraucht, psychischem innerfamilialem Terror ausgesetzt, verbrüht, mit brennenden Zigaretten traktiert, dem Hungertod überlassen, sogar an den Genitalien verstümmelt u.v.m.
DAS ist der Punkt.
Und natürlich gibt es bei vielen dieser Gewaltformen einen massiven Gender-Effekt, der mit den partriarchalen Gesellschaften auf der Erde unmittelbar zusammenhängt…“

Höchste Zeit, sich den – zugegeben unbequemen – Tatsachen zu stellen und die folgenden Fakten zu verinnerlichen:

1.) Gewalt hat mit Liebe oder „guten Absichten“ NICHTs zu tun!

2.) Gewalt ist eine Machtaktion, die „zur absichtlichen … Verletzung anderer führt“

3.) Es geht darum, den Willen des Opfers, über das Gewalt ausgeübt wird, zu missachten, zu brechen und unter den Eigenen zu unterwerfen.

Auch der besonders systematischen Gewalt der Genitalverstümmelung liegt diese Intention zugrunde:

„Female Genital Mutilation is NOT an act of love but an act of disrespect, disdain, violence and personal material interests of others than the victims…“

4.) Gewalt von Eltern gegen ihre Kinder ist sowohl perfideste Missachtung als auch Respektlosigkeit und Vertrauensmissbrauch, da die Opfer von ihnen vollkommen abhängig sind und Liebe und Schutz erwarten.

Zusammenhang zwischen innerfamiliärer Gewalt und Genitalverstümmelung 

Bis zu 100% der Mädchen in den Verstümmelungs-Kulturen werden systematisch misshandelt

Von Anfang an haben wir Genitalverstümmelungen als systematische Gewalt beschrieben, die nur in einem Umfeld genereller Unterdrückung – in einem stabilen Gewaltkreis – möglich ist, in dem ein generell hohes Maß an Gewalt gegen Kinder verübt wird.

Auf dem äußerst empfehlenswerten Blog von Sven Fuchs – der in Hamburg Soziologie studiert hat und sich seitdem mit den Ursachen, Mechanismen und Folgen von Gewalt befasst – finden wir die fundiert aufbereiteten empirischen Belege dafür, dass Genitalverstümmelungen unmittelbar mit genereller, massiver innerfamiliärer Gewalt und Misshandlung gegen Kinder – insbesondere gegen Mädchen – verbunden sind.

Sven Fuchs hat Studien von UNICEF und dem African Child Policy Forum ausgewertet. Die Ergebnisse beschreiben eine kaum vorstellbare Dimension schwerer Gewalt gegen die Schwächsten der Gesellschaft:

Beispiele aus den jeweiligen Hauptstädten:

– In Äthiopieneinem Land mit rund 90% Verstümmelungsrate besonders innerhalb sozial gehobener, gebildeter Schichten – geben  84% der Mädchen an, körperlich misshandelt zu werden. (*)

100% der äthiopischen Mädchen werden Opfer psychischer Gewalt (**). In Kenia sind es 96,4%.

– In anderen Ländern, in denen die Verstümmelungen nahezu flächendeckend – an der gesamten weiblichen Bevölkerung – verübt werden, sieht es ähnlich aus: In Ägypten werden z.B. 92% der Kinder misshandelt, in Burkina Faso 83%, in Gambia 87%, Guinea Bissau 82% und an der Elfenbeinküste 91%.

Als Fazit halten wir fest: Nicht alle Familien, die ihre Kinder/Mädchen misshandeln verüben auch Genitalverstümmelung – aber jene Familien, die Genitalverstümmelungen an ihren Töchtern anstiften, misshandeln sie i.d.R. auch physisch und psychisch.

Auch im Zusammenhang mit Genitalverstümmelungs-Gefahr für Mädchen, die in Deutschland leben, ist allgemeine elterliche Gewalt ein Thema:

Die TaskForce hat in den vergangenen 4 Jahren mehr als 30 Fälle begleitet, bei denen es um die Abwendung der Gefahr von Genitalverstümmelung an Mädchen, die in Deutschland leben, ging, mehr als die Hälfte aus binationalen Partnerschaften. Die Gerichtsbeschlüsse einiger dieser Fälle haben wir hier veröffentlicht.

Auffällig ist, dass die Mädchen in nahezu 100% der Fälle auch Opfer genereller, innerfamiliärer physischer Gewalt (z.B. durch Schläge) – durch die Elternteile afrikanischer Herkunft – waren und sind.

Wirksame Schutzmaßnahmen für Mädchen vor dieser schweren Gewalt müssen daher auf der Grundlage beruhen, dass Genitalverstümmelung ein systematisches Gewaltphänomen ist, dessen Täter keineswegs aufgrund mangelnder Bildung oder fehlender Kenntnis des Leids, das sie verursachen, handeln, sondern diese Taten – wie alle Gewalttäter – begehen um ihre eigenen ideologischen, persönlichen und materiellen Interessen gegen die der Opfer durchzusetzen – in vollem Bewusstsein der Folgen.

Anhand dieser Erkenntnisse hat die TaskForce wirksame Strategien erarbeitet, mit denen gefährdete Mädchen sowohl in Deutschland als auch in Entwicklungshilfeprojekten nachhaltig und messbar geschützt werden können.

 

(*) Durch Schläge mit einem Gegenstand, Prügel, Tritte, Würgen/Verbrennungen, sehr harte Arbeit, Heißes oder bitteres Essen in den Mund der Mädchen einflößen, Einsperren, Essensgabe verweigern

(**) Durch Bloßstellen, Beschimpfungen, Anschreien, Drohung verlassen zu werden, Ignoriert werden, Wegnahme von Geld und Besitz, Diskriminierung auf Grund der Rasse, Ethnie oder Religion, Familienmitglied sagte, das Mädchen wäre am besten nicht geboren worden, Miterleben von Gewalt und Tötung eines Menschen, Gezwungen werden, einem anderen körperliche Gewalt zuzufügen oder eine Waffe zu benutzen, Androhung von Verletzungen und Tod

12 Kommentare

  1. Detmar Hönle, stellv. Vors. (I)NTACT sagt:

    Liebe Freund/innen,

    Ja, natürlich ist WGV ein Akt übelster Gewalt gegen hilflose Mädchen, und die Eltern akzeptieren diese Gewalt. Ich denke auch, dass eine afrikanische Familie in Europa mit der Beschneidung einer Tochter signalisiert, dass andere Dinge ihr wichtiger sind als die Liebe zu diesem Kind. Deshalb ist auch richtig, diese Gewalt hier bei uns durch Androhung oder Ausübung harter staatlicher Gewalt zu stoppen.
    Aber das greift nicht in Afrika, wo im Übrigen die oft harten Gesetze die Verstümmelung in den Untergrund getrieben haben, wo es bedeutend schwieriger ist, sie zu überwinden. In den ländlichen Regionen basiert die Tradition auf dem Glauben an die Erklärungsmuster (man kann das als Aberglauben belächeln, aber es sind äußerst wirksame Rechtfertigungstheorien für eine falsche Erklärung der Wirklichkeit – Ideologien eben) und Angst. Den Glauben an die behaupteten Vorteile der Operation und der so bewirkten sog. „Reinheit“ des Mädchens kann man relativ effektiv überwinden durch gute Aufklärung mit guten visuellen Materialien. Bleibt aber die Angst vor dem Ungehorsam gegenüber dem ungeschriebenen Gesetz (Traditionen sind die Gesetze aus der Zeit, als die von den Mächtigen beschlossenen Normen noch nicht geschrieben wurden). Und dies Gesetz wird eben von den Traditionshütern geschützt, zumindest in Westafrika (Fetischeure, Charlatans, Marabouts). Das sind die Männer, die in der afrikanischen Vorstellung mit der Geisterwelt kommunizieren und die dem Aufmüpfigen Krankheit und Tod an den Hals hetzen können. In diesem Zusammenhang erscheint die Verstümmelung als das kleinere Übel. Lieblosigkeit? Vielleicht. Aber wenn der Vater oder die Mutter umgebracht werden, wer kümmert sich dann um die durchschnittlich fünf (bei einer Frau) oder 15 (bei drei Frauen) Kinder der Familie?
    Wer die WGV in Afrika überwinden will, muss sich auf Afrika einlassen, und das tickt in den Agrargebieten noch anders als Europa. Wer das nicht tut, wie Tostan, scheitert (und sichert sich mit der UNO im Rücken noch auf Jahrzehnte fette Dollarmillionen aus Steuergeldern). Wir haben es getan und 2011 auch in Togo die Tradition beendet. Aber einer unserer Partner hat in Benin seine drei besten Projektarbeiterinnen verloren, als wir den okkulten Hintergrund noch nicht verstanden hatten. Sie waren von Traditionshütern verwünscht worden. Kein Arzt konnte sagen, woran sie gestorben waren.

  2. Ines Laufer sagt:

    Vielen Dank für Ihren Kommentar, Herr Hönle, zunächst freue ich mich, dass wir uns in der Frage der Notwendigkeit staatlicher Intervention zum Schutz für Mädchen, die in Deutschland leben, einig sind.

    Was die Situation und Möglichkeiten der Verhinderung von FGM in Afrika angeht, gehen unsere Auffassungen grundlegend auseinander, denn die Gewalt-Mechanismen sind auch dort keine anderen als z.B. hier in Europa: Gewalt „funktioniert“ nach universellen Gesetzmäßigkeiten:
    Jeder Gewalttäter – bzw. im Fall von Genitalverstümmelung ein Kollektiv von Gewalttätern – (er)findet Rechtfertigungen, um seine Taten zu legitimieren und das tatsächliche Motiv (Unterwerfung, Kontrolle etc) zu verschleiern.
    Dabei ist es gerade für Außenstehende von grundlegender Bedeutung, Beides (Motiv und Legitimation) auseinanderzuhalten und die Rechtfertigungen eben nur als Vehikel der Gewaltlegitimation zu begreifen.

    Wie wir in dem Artikel verdeutlichen, ist Gewalt „eine Machtaktion, die “zur absichtlichen …Verletzung anderer führt”, Daher ist es „normal“, dass diejenigen, die gesellschaftliche Macht ausüben (Sie sagen „Traditionshüter“ – ich bevorzuge weniger euphemistische Begriffe) in ihrem eigenen Macht-Interesse an der Weiterführung dieser Gewalt interessiert sind und ggfls. mit direkter Gewalt (wie Sie ja selbst schreiben) agieren. Die Erkenntnis über das „Funktionieren“ dieser Gewaltstrukturen führt unmittelbar zur Lösung des Problems: Denn diejenigen, die bislang die Weiterführung der Gewalt fordern, haben die Macht, für die Gemeinschaft die Entscheidung zu treffen, sie zu beenden, kurz: die männlichen Entscheider müssen in die Pflicht und Verantwortung genommen werden, zum Wohle der Gemeinschaft dafür zu sorgen, dass künftig unversehrte Generationen aufwachsen können.
    Es wird an dieser Stelle deutlich, dass die – i.d.R. schwer traumatisierten, dissoziierten – Opfer=Frauen die falsche Zielgruppe sind und es ist erschreckend, wie viele Ressourcen bereits verschwendet wurden durch die Versuche, Frauen durch „Aufklärung“ zur Abkehr von FGM zu bringen!

    Die einzige Möglichkeit für internationale Organisationen, nachhaltig messbaren Erfolg zu haben, liegt in der grundlegenden Umstellung des Entwicklungshilfekonzepts hin zu konditionierter Hilfe, wie wir sie im Zuge der Patenmädchen-Kampagne (www.patenmaedchen.de) erarbeitet haben und mit unserer Partnerorganisation SAIDA International (http://saida-international.de/) praktisch umsetzen.

    Wichtigstes Instrument zur Messung des Erfolgs bilden die regelmäßigen Unversehrtheitskontrollen, die konsequent verhindern, dass Genitalverstümmelungen „im Untergrund“ weitergeführt und ohne Sanktionen blieben.

    Bei der Gelegenheit interessiert mich übrigens, wie INTACT den Erfolg in den Projekten evaluiert hat und auf welcher Grundlage die Aussage getätigt wird, „Genitalverstümmelung“ sei in einem Land „beendet“…

    Der Betrug, den Tostan mit seinen verfehlten Ansätzen und manipulativen Falsch-Informationen (z.B. 3000 Dörfer hätten offfiziell das Ende von FGM verkündet, während der Verein weiß, dass diese Gewalt unvermindert fortgeführt wird, dies jedoch verschweigt) begeht, werden wir sicher noch auf unserem Blog thematisieren.

  3. Plausible Argumente lösen in dir nur eine Reaktion aus:
    „Ist doch klar. Warum habe ich das nicht schon immer so gesehen?“

    Jedem normal tickenden und fühlenden Menschen müsste klar sein, dass es nicht sein kann, dass Eltern, die ihre Töchter genitalverstümmeln lassen, nicht wissen, was sie tun, wo doch jahhraus jahrein die Schmerzensschreie duch die Dörfer schallen – sie aber im Grunde nur für das Beste für ihre Kinder wollen?

    Der Mythos vom Guten Wilden lebt!

    Sehr gute Zusammenfassung mit vielen Links, danke für den Beitrag

  4. Sven Fuchs sagt:

    „Genitalverstümmelungen sind in einer liebevollen familiären Umgebung undenkbar!“

    Das ist ein Satz, der die Dinge auf den Punkt bringt! Man kann diesem Satz zusätzlich auch andere Gewaltformen voransetzen, er wird in seinem Wahrheitsgehalt erhalten bleiben. Wer sich etwas mit der Geschichte der Kindheit befasst (z.B. Arbeiten von Lloyd deMause) wird feststellen, dass Kinder seit Menschengedenken „Giftcontainer“ für Eltern sind, die wiederum ihre eigenen traumatischen Erlebnisse und ihren Hass an ihren Kindern wiederaufführen und sich dadurch kurzfristig „gut“ und „erleichtert“ fühlen. Nur tief gespaltene Menschen können ein Kind foltern, z.B. in Form von Genitalienverstümmelung. Es ist auch in Europa noch nicht lange her, dass Kinder routinemäßig ausgepeitscht, verbrüht, zusammengeschlagen und körperlich wie seelisch verstümmelt wurden. Das ganze stets im Sinne der „Tradition“, „zu ihrem Besten“, aus „Liebe“, um ihnen „den Teufel auszutreiben“ oder sie vor der Unterwelt zu bewahren. Vorstellungen von Geistern, Hexen, bösen Mächten usw. (was wir auch hier bei uns früher kannten) wie wir sie in Afrika vorfinden, sind bereits Zeichen von einer kollektiven schweren emotionalen Störungen und abgespaltenen Alter Egos. Was wir in diesem Zusammenhang meinen als „Kultur“ zu erkennen, ist eher ein je nach historischem Kontext sich jeweils differenziert darstellendes Wiederaufführen von kindlichen Gewalterfahrungen.

    Der Zusammenhang zwischen allgemeiner innerfamiliärer Gewalt gegen Kinder und der Genitalienverstümmelung ist offensichtlich. Die Verstümmelung ist nichts anderes als Folter mit lebenslangen Folgen. Sie ist eingebettet in die historisch belegte routinemäßige Folter von Kindern durch Eltern und Pflegepersonen. Und sie kann nur stattfinden, weil die Menschen, die diese Mädchen verletzten, selbst einst als Kind alles Menschliche abspalten mussten, um in einer Atmosphäre der Gewalt überleben zu können. Die Genitalienverstümmelung ist in meinen Augen kein Ausdruck von „Kultur“, sondern eine Wiederaufführung selbst erlebter Traumatisierungen.

    Entsprechend leisten sie mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag dazu, dass der Kreislauf der Gewalt unterbrochen werden kann.

  5. Detmar Hönle, stellv. Vors. (I)NTACT sagt:

    Ende der Verstümmelungstradition in Benin: vgl. Studie „Demographic and Health Survey“ des ORC Macro Benin 2006, Kap. 11 „Excision“, Tableau 11.3 „Pratique de l’excision parmi les filles des femmes excisées“. Beschnittene Töchter der Mütter zwischen 15 und 29 Jahren: 0,5 %. http://www.measuredhs.com

    Ende der Verstümmelungstradition in Togo: vgl. Studie „Togo. Enquête par grappes à indicateurs multiples (MICS) 2010“ von UNICEF und Ministère Chargé de la Planification du Développement et de l’Aménagement du Territoire. Beschnittene Töchter im Alter von 0 – 14 Jahren nach Angaben der Mütter: 0,4 % http://www.childinfo.org/files/MICS_Preliminary_Togo_Fr_2010.pdf
    Die Prävalenz lag 1998 bei über 12%, bei den Ethnien der Tchamba, Cotocoli und Peul über 80%. Am 25. Januar 2011 feierten die Tchamba ihre (von uns weder finanzierte noch organisierte) Feier der Aufgabe der Beschneidung in der Stadt Tchamba, am 12. Mai 2011 führten die Peuls der Region Savanes diese Feier in Dapaong durch.- Eine aktuelle Evaluation, an der das togoische Frauenförderungsministerium beteiligt ist, beginnt im Februar. Danach wird dieses Ministerium im Laufe des Jahres zusammen mit (I)NTACT und mehreren hunderten Beschneiderinnen und Traditionshütern die nationale Feier der Aufgabe der Beschneidung in Togo in der Stadt Sokodé durchführen.

    WGV ist eine soziale Norm. Liegt die Verstümmelungsprävalenz bei 0 – 14-jährigen Mädchen unter 1%, so besteht diese Norm nicht mehr.

    • TaskForce sagt:

      Lieber Detmar Hönle – danke für die Information: Das Problem ist, dass diese Ergebnisse – da sie auf Befragungen basieren – keine Validität haben, insbesondere dann, wenn die Verstümmelungen in den jeweiligen Ländern (zumindest auf dem Papier) strafbar sind!

      Wenn man z.B. in Deutschland das Ausmaß an Kindesmisshandlungen eruieren wollte, indem man Eltern nach Art und Umfang der Gewaltausübung befragte, wäre von vornherein klar, dass die Ergebnisse falsch sein müssen.

      Im Fall von Genitalverstümmelung ist es genauso, siehe auch unsere Ausarbeitung über die Verfehlung von Eruierungen durch Befragung: http://blog.taskforcefgm.de/wp-content/uploads/2011/12/falscheEvaluierungen_Kindernothilfe.pdf

      Fragen Sie diesbezüglich auch gerne am CEVAL nach – dem renommierten Forschungsinstitut der UNI Saarbrücken zu Evaluierungen. Von dort erhielten wir folgende Kurz-Einschätzung: „Ich kann Ihnen zur zustimmen, dass bei einem so sensiblen Thema nicht anonyme Befragungen oder sogar Fokusgruppeninterviews, bei denen sich einzelne in einer Gruppe verbal bekennen müssen, ganz bestimmt nicht die richtige Evaluationsmethodik sind, um herauszufinden, ob in einem Projektgebiet die Verstümmelungsrate zurückgegangen ist oder nicht. Befunde, die sich auf solche Daten beziehen, kann man getrost vergessen. Sie haben keinen Aussagewert…“

  6. […] Absichten” unterstellt – obwohl die empirischen Fakten sowohl das Eine als auch das Andere fundiert […]

  7. […] Die Fakten belegen:  Genitalverstümmelungen sind in einem liebevollen Familienumfeld undenkbar! […]

  8. […] In diesem Zusammenhang sei noch einmal auf die enge Verknüpfung von allgemeiner, schwerer innerfamiliärer Gewalt gegen Kinder und Genitalverstümmelun…hingewiesen. […]

  9. […] Vor diesem Hintergrund dürfte es niemanden verwundern, dass auch allgemeine, schwere physische und psychische Misshandlungen gegen Kinder in sämtlichen Verstümmelungs-Kulturen flächendeckend verübt werden. […]

  10. […] können. Denn die empirischen Fakten belegen, dass dort, wo Genitalverstümmelungen verübt werden, schwerste “allgemeine” physische und psychische Gewalt innerfamiliäre Gewalt gegen Ki… Es könnte also durchaus “zielführend” sein, die Kinder aus diesen Gewalt-Strukturen […]

  11. Diesem Satz von Ines Laufer und dem, was die Leute vom CEVAL sagen, kann ich voll zustimmen:
    „Fragen Sie diesbezüglich auch gerne am CEVAL nach – dem renommierten Forschungsinstitut der UNI Saarbrücken zu Evaluierungen. ….“

    Aber die Frage ist, ob solche Aussagen wie

    „Mozafarian hat dafür zwischen 2007 und 2009 in mehreren iranischen Provinzen Befragungen zu weiblichen Genitalverstümmelungen durchgeführt. Ihren Recherchen zufolge finden 70 Prozent der weiblichen Beschneidungen“

    (aus http://jungle-world.com/von-tunis-nach-teheran/2678/ ) dann nicht genau so unsicher zu bewerten sind.

    Es ist zwar höchst wahrscheinlich, daß in diesem Umfeld von religiösen Irren solche Praktiken gang und gäbe sind, aber Angaben wie

    – 70%
    – Bis zu 50.000 minderjährige Mädchen sind in Deutschland von Genitalverstümmelung bedroht.

    sind für den Leser zunächst mal ebenso ungenau wie die kritisierten „Befragungen“ in Afrika.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.