Genitalverstümmelung, Entwicklungshilfe & warum die Lösung so einfach ist

Corona-Perversion in Somalia: Genitalverstümmelung während des LockDown
28. Mai 2020

Ein Kommentar der TaskForce-Gründerin Ines Laufer

Beim Aktualisieren der TaskForce-Webseite fiel auf, dass zwei Kommentare zu einem unserer meist kommentierten Artikel offenbar untergegangen waren und erst jetzt freigeschaltet wurden. Der Beitrag selbst – Plan International verhöhnt Spender, Öffentlichkeit und misshandelte Patenkinder – ist aktueller denn je und setzt sich kritisch mit der Duldung von Genitalverstümmelungen durch die Patenkindorganisation Plan International auseinander.

Das meint Laura:

Das sagt Maria:

Beide Kommentare stehen so bezeichnend für jenes kritikwürdige Weltbild, das der Duldung der Genitalverstümmelungen durch westliche Organisationen (aber auch Regierungen bis hin zu „feministischen“ Gruppen) zugrunde liegt, dass die Dekonstruktion dieses Musters einmal mehr überfällig ist:

1. Westliche Arroganz, Empathielosigkeit, Paternalismus und Rassismus

Nun ist es immer wieder erschreckend, mit welchem Maß an Empathielosigkeit und westlicher Arroganz sich gerade Frauen zum Thema Genitalverstümmelung äußern. Oder wie kann man sich darin versteigen, die Prioritäten zum Nachteil der körperlichen Unversehrtheit zu setzen und die Genitalverstümmelung mit „Nahrung und Bildung“ aufzuwiegen wie in der Aussage „ein Kind mit Genitalverstümmelung mit Möglichkeiten für Nahrung und Bildung ist immer noch besser als ein Kind mit Genitalverstümmelung ohne Nahrung u Bildung.“?

Waris Dirie, Überlebende der Verstümmelungsgewalt, bringt diese menschenverachtende Essenz auf den Punkt::

„Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, dass Genitalverstümmelung etwas so Furchtbares bedeutet, dass es mit nichts wieder gut gemacht werden kann – und auch nicht mit sauberem Trinkwasser, Impfungen oder Schulbesuchen aufgewogen werden kann. Wer behauptet, die Lebenssituation von Kindern verbessern zu wollen, aber gleichzeitig versäumt, sie vor Genitalverstümmelung zu schützen, muss sein Ziel verfehlen.“

Und eine Maasai-Frau aus Kenia, die wie 90% der Mädchen dieses Stammes der Verstümmelung unterworfen wurde, fragt:

„Wie soll ein Mädchen, das Schmerzen hat, weil ihm die Genitalien abgeschnitten wurden, sich über sauberes Wasser oder Impfungen freuen können?…“

De facto kann von einer „wirklichen und effektiven Verbesserung des Lebens des Patenkindes“ (= Formulierung direkt aus einem Plan-Werbeprospekt?) natürlich KEINE Rede sein, wenn es nicht einmal vor einer so schweren Gewalthandlung wie der Genitalverstümmelung geschützt wird! 

2. Kulturrelativistische Verbrämung der Gewalt

Die Verbrämung schwerer kollektiver Gewaltverbrechen wie der Genitalverstümmelung als „Kultur und Tradition“ ist seit Jahrzehnten Ausdruck des im Westen nach wie vor verbreiteten, zutiefst rassistischen Kukturrelativismus, auf dem auch die Duldungspolitik von Vereinen wie Plan International beruht, ebenso wie die „kulturanthropologische“ Denke der Kommentatorin:

Denn niemand, der die Verstümmelungen im Kontext ihrer Gewaltsystematik begreift, käme auf die mit Verlaub absurde Idee, Voraussetzung für die Beendigung der Verstümmelungsgewalt sei eine entsprechende „Überzeugung“ der Täter (siehe auch Warum „Information und Aufklärung“ im Kampf gegen Genitalverstümmelung nicht zum Ziel führt – und wie sich der Westen damit zum Komplizen macht“)

Die in ihrer Systematik identische Kollektivgewalt der Füßeverstümmelungen in China hat deutlich gezeigt, dass – nachdem sämtliche langwierigen „Überzeugungsversuche“ kläglich gescheitert waren – allein die ernstgemeinte Ächtung und Bestrafung ein Ende der Gewalt herbeigeführt hat, und zwar quasi „von heute auf morgen“…

3. Der Schlüssel zum Erfolg heißt „konditionierte Entwicklungshilfe“

Die Frage, wie „Plan denn vorgehen“ sollte, haben wir in unserer vor über 10 Jahren lancierten Patenmaedchen-Kampagne ausführlich erörtert, siehe hier.

Der Schlüssel zum Erfolg heißt mithin „konditionierte Entwicklungshilfe“ und beeinhaltet drei ebenso simple wie wirksame Maßnahmen:

– die Unversehrtheit der Kinder durch die Organisationen aktiv bei den örtlichen Entscheidungsträgern einzufordern,
– in den Förderrichtlinien und -bedingungen festzuschreiben (und damit ausschließen, dass Gemeinden unterstützt werden, deren Entscheider auf die Fortführung der Gewalt bestehen und damit deutlich signalisieren, dass keine Entwicklung gewünscht ist),
– regelmäßig durch Unversehrtheitskontrollen zu verifizieren.

So einfach. So wirksam. So messbar. So nachhaltig.

4. Betrug der Kinder und der Spender

Indem Plan International, World Vision, Kindernothilfe und ChildFund etc. den akut gefährdeten Mädchen die grundlegensten Schutzstandards verweigern – weil ihr kulturrelativistischer Ansatz den nicht vorsieht, d.h. sie den Schutz nicht einfordern wollen, nicht in ihren Förder-Kriterien festschreiben wollen und nicht regelmäßig überprüfen wollen – nehmen sie billigend in Kauf bzw. dulden sie, dass tagtäglich diese Verbrechen in ihren Projekten verübt werden.

Gleichzeitig betrügen sie die Spender mit falschen Werbeaussagen wie z.B. „Plan schützt Mädchen“ oder „Plan sorgt dafür, dass Mädchen wie Zaria aus Togo gesund aufwachsen können“. (= Täuschung / Hervorrufen eines Irrtums mit dem Ziel, eine Vermögensverfügung/Spende zu erhalten = Betrug)

Ein solches Fehlverhalten sowie dessen Förderung und finanzielle Unterstützung in der Öffentlichkeit schonungslos und deutlich zu benennen, zu kritisieren und vor allem effektive Lösungen aufzuzeigen ist das Mindeste, was die Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung gebietet.

Fakt ist, dass solange Vereine wie Plan International auf empathielose, kulturrelativistische westliche Unterstützer zählen können, die es OK finden, dass kleinen Mädchen die Genitalien abgeschnitten werden (ist halt „ein alter Brauch und Kultur“) anstatt sie wirksam zu schützen, es keine Entwicklung geben kann – weder zugunsten der misshandelten Mädchen und Frauen noch zugunsten der gesamten Gesellschaft.

Mehr dazu hier:

Patenmädchen-Kampagne: Forderungen der TaskForce zum Schutz vor Genitalverstümmelung

Betrug an Spendern – Patenkindorganisationen dulden weiter Genitalverstümmelung

Plan International verhöhnt Spender, Öffentlichkeit und misshandelte Patenkinder

Duldung von Genitalverstümmelung an Patenmädchen: Immer mehr Spender kündigen ihre Patenschaft

 

Foto: (c) Shutterstock

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