Genitalverstümmelung auf dem Vormarsch in Malaysia: Fast jede muslimische Frau betroffen…

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Ein verstörender, aktueller Beitrag des VICE-Magazins lenkt die Aufmerksamkeit bezüglich weiblicher Genitalverstümmelung wieder einmal nach Asien – nach Malaysia: In dem 30 Millionen-Einwohner-Land, das als „modernes, islamisches Land“ gesehen werden will, gehört die genitale Verstümmelung von Mädchen zum legitimen Alltag.

Eine Studie der University of Malaya’s Department of Social and Preventive Medicine aus dem Jahr 2012 belegt die weite Verbreitung dieser Praktik: 93% der befragten muslimischen Mädchen und Frauen sind betroffen.

Genitalverstümmelung als islamische Pflicht

Wirklich überraschend sind diese Zahlen nicht, denn auch im Nachbarland Indonesien wird mittlerweile die Mehrheit der Mädchen den schmerzhaften Eingriffen unterworfen. Ebenso wie bei der Verbreitung der Genitalverstümmelungen von Ost- nach Westafrika ist auch in Asien der Islam die Hauptquelle der massiven Ausbreitung dieser Gewalt: Weibliche Genitalverstümmelung wurde nach Malaysia – ebenso wie in andere asiatische Länder wie die Maldiven and Indonesien mit dem Islam eingeführt, als religiöse Pflicht: Vor der Islamisierung (15. bis 18. Jahrhundert), waren Genitalverstümmelungen in Asien/Malaysia unbekannt und werden heute nahezu ausschließlich in islamisierten Gebieten verübt.

Schon im Jahr 2009 lösten die Legalisierungsbestrebungen des malaiischen Gesundheitsministeriums heftige Debatten aus: Aufgrund einer Fatwa des National Council of Islamic Religious Affairs, die im Sinne der shafi’itischen Rechtsschule die Praxis zur religiösen Pflicht erklärte, erarbeitete das Gesundheitsministerium Richtlinien zur Klassifizierung der Verstümmelungen als legale „medizinische Praktik“.

Legitimierung durch Medikalisierung

Wenngleich immer wieder beteuert wird, die Verstümmelungen in Asien seien nicht vergleichbar mit denen, die in Afrika verübt

Mit der Medikalisierung der Genitalverstümmelungen sind auch schwere Verletzungen – wie das Abschneiden der Klitoris – auf dem Vormarsch

werden, da sie eher “symbolischer Natur” seien und ohne ernsthafte Verletzungen auskämen, haben bereits die Untersuchungen in Indonesien gezeigt, dass gerade im Zusammenhang mit der Medikalisierung vermehrt schwere Formen der Verstümmelungen (z.B. Ein- und Abschneiden der Klitoris) verübt werden.

So verwundert es kaum, dass die von VICE porträtierte „Ärztin“, die in der privaten Global Ikhwan Klinik regelmäßig Genitalverstümmelungen durchführt, in drastischer Weise mit Nadeln und Scheren vorgeht:

„I just take a needle and slit off the top of the clitoris, but it is very little,“ she said. „Just one millimeter.“

In Anbetracht der Tatsache, dass Mädchen im Alter zwischen einem und sechs Jahren diesen Eingriffen unterworfen werden, kommentiert Arvid Vormann von WADI e.V. diese Aussage auf seiner Facebookseite folgerichtig: „What a misleading rubbish. Just one millimeter of a baby’s clitoris – that’s basically the whole clitoris.“

Und die Akzeptanz der Verstümmelungen als islamisches Gebot wächst mit der Verinnerlichung der rigiden religiösen Sexualmoral und der obsessiven Fixierung auf die Jungfräulichkeit – auch und gerade bei jungen, „modernen“ Musliminnen, wie die Aussage der 19-jährigen Syahiera Atika zeigt:

 „I don’t think the way we do it here is harmful,“ she says. „It protects young girls from premarital sex as it is supposed to lower their sex drive…“ 

Video von Asia Calling über Genitalverstümmelungen in Malaysia (2013):

„You remove the unwanted piece.“

 

Fotos: (c) Thomas Cristofoletti / VICE Media

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