Genitalverstümmelung steht im Irak ab sofort unter Strafe

Genitalverstümmelung ist ein globales Problem
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wadi e.V, Berlin/Suleymaniah:  Der 22. Juni war ein guter Tag für die Frauen und Mädchen aus dem Nordirak. Mit großer Mehrheit hat sich das Regionalparlament in der kurdischen Autonomieregion des Irak für die Annahme eines Gesetzes ausgesprochen, das die Verstümmelung weiblicher Genitalien (FGM) künftig verbietet. Demnach macht sich künftig strafbar, wer aus traditionellen, religiösen oder anderen Gründen die gerne als »Beschneidung« beschönigte Operation an Frauen oder Mädchen durchführt.

Jahrzehntelang verschwiegen stellt FGM ein erhebliches Problem im Nordirak dar. Erst Studien, die seit 2007 von WADI mit lokalen Partnerorganisationen durchgeführt wurden zeigten, dass deutlich mehr als 60 Prozent der Frauen und Mädchen in der Region genital verstümmelt wurden.

wadi .V., Berlin/Suleymaniah: June 22nd was a good day for women and girls in Iraq. Kurdistan Regional Parliament passed with great majority a bill that bans Female Genital Mutilation (FGM) as a harmful act. Performing FGM is penalized under the new law.

FGM, of which the practice was denied for decades, is a considerable threat to women’s health in Northern Iraq. Studies carried out by WADI since 2007 reveal that a majority of more than 60 % of the region’s women and girls have been mutilated.

Der Eingriff, bei dem Teile des weiblichen Sexualorgans entfernt werden, hat oft schwerwiegende gesundheitliche Folgen für die Betroffenen. Dauerhafte Angstzustände, Schmerzen und Unfruchtbarkeit sind keine Seltenheit. Der Eingriff selbst, der in der Regel von Laien unter mangelnden Hygienebedingungen durchgeführt wird, fordert immer wieder Opfer – Mädchen im Alter zwischen 2 und 8 Jahren verbluten oder sterben an den Folgen schwerer Entzündungen.

Die von WADI veröffentlichten Untersuchungsergebnisse lösten eine kontroverse öffentliche Debatte aus. Während die Existenz von FGM zum Teil geleugnet wurde, formierte sich über alle Parteigrenzen hinweg eine Gruppe von Frauenrechtlerinnen und Parlamentarierinnen, die einen gemeinsamen Gesetzentwurf zum Verbot von FGM ins Parlament einbrachten. Unterstützt wurden sie durch eine von WADI geförderte Öffentlichkeitskampagne, die mit Fernsehspots und großflächigen Zeitungsanzeigen über FGM aufklärte.

Das jetzt verabschiedete Gesetz ist auch ein Erfolg dieser Kampagne. Wirkung wird das Gesetz zu allererst auf einer symbolischen Ebene entfalten. Um FGM wirkungsvoll und dauerhaft zu bekämpfen, werden zugleich mehr Anstrengungen gefordert sein. Es muss darum gehen, das Recht von Frauen und Mädchen auf Selbstbestimmung – über ihren Körper und ihr Leben – insgesamt auf die Tagsordnung zu bringen. Auf dem Weg dahin ist mit dem Anti-FGM Gesetz im kurdischen Nordirak ein großer Schritt getan worden.

Foto (c) Flickr/lachicaphoto

The operation, in which parts of the female sexual organ are removed, regularly causes severe physical and psychological consequences. Fear and trauma, lasting pain and infertility are common consequences. The operation itself is usually carried out by laymen in poor hygienic conditions and has cost lives.

The public controversy about FGM in Iraqi-Kurdistan began following the results of the studies conducted by WADI since 2007. While some still deny that FGM is practiced in Kurdistan, a group of women’s rights activists and MPs from across the political spectrum introduced an Anti-FGM bill in the parliament. The group’s work was supported by WADI and it was accompanied by a public awareness campaign in the local media.

The new Anti-FGM Law is a long hoped outcome of this work. Still, more effort is needed to fight FGM. At the core of it, the right to self-determination of women and girls must be put on the agenda. The Kurdish Region in Northern Iraq has taken an important step in this direction.

Foto (c) Flickr/lachicaphoto

1 Kommentar

  1. Vanessa Radel sagt:

    Es ist schwierig in einem Land die Genitalverstümmelung zu verbieten in dem eine Frau und deren Meinung weniger zählt als die eines Mannes, in denen die Aussage einer Frau durch die von zwei männlichen Zeugen bestätigt werden muss und im Falle einer Scheidung die Beispielsweise in der Sharia überhaupt nicht vorgesehen ist, die Kinder bei dem Mann lassen muss sobald sie ihn verlässt. Meiner Meinung ist es das sprichwörtliche „Pferd beim Schwanz packen“ und grundlegende andere Dinge sollten vorher angesprochen werden um das Denken in alten Mustern sowie das Bild der Frau in den Augen der Männer zu ändern.

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