Human Rights Watch-Bericht: FGM im kurdischen Irak

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Nachdem unsere Partnerorganisation WADI e.V. bereits Anfang des Jahres eine umfangreiche Studie über die weite Verbreitung von Genitalverstümmelungen im kurdischen Nordirak vorgelegt hatte, stellt nun die Organisation Human Rights Watch einen ausführlichen Bericht zu dieser Problematik vor.

Über die Verbreitung von Genitalverstümmelung wurden kürzlich zwei Studien herausgegeben.

Im Januar 2009 führte das ehemalige Menschenrechtsministerium eine Studie im Bezirk Chamchamal durch. Insgesamt wurden 521 Schülerinnen im Alter von elf bis 24 Jahren befragt. 40,7 Prozent der Befragten waren Opfer einer Genitalverstümmelung. Von den unter Dreizehnjährigen waren 23 Prozent betroffen und von denjenigen ab 14 Jahren 45 Prozent.

Im Jahr 2010 veröffentlichte der Verband für Krisenhilfe und solidarische Entwicklungszusammenarbeit (WADI), eine deutsch-irakische Menschenrechtsorganisation, die Ergebnisse einer eigenen Untersuchung. Zwischen September 2007 und Mai 2008 wurden in den Provinzen Arbil und Sulaimaniya und in der Region Germian/Kirkuk insgesamt 1.408 Frauen und Mädchen im Alter von 14 Jahren und darüber befragt. 72,7 Prozent der Befragten hatten eine Genitalverstümmelung erlitten – 77,9 Prozent in Sulaimaniy, 81,3 Prozent in Germian und 63 Prozent in Arbil.

In der Autonomen Region Kurdistan praktizierende Ärzte berichteten gegenüber Human Rights Watch, dass Genitalverstümmelung in der Region meistens als Klitoridektomie, d.h. als teilweise oder vollständige Entfernung der Klitoris und/oder der Klitorisvorhaut erfolgt. Medizinischem Fachpersonal zufolge wurden in Krankenhäusern manchmal sogar noch weitreichendere Eingriffe an erwachsenen Frauen durchgeführt.

Doch die Regierung hat bisher nicht angemessen gehandelt:

Im Jahr 2008 unterstützte zwar eine Mehrheit in der Kurdischen Nationalversammlung die Einführung eines Gesetzes zum Verbot von Genitalverstümmelung. Doch der Gesetzentwurf wurde bislang nicht verabschiedet und es ist unklar, wann das Gesetz endgültig in Kraft treten wird. Im Frühjahr 2009 entwickelte das Gesundheitsministerium zusammen mit einer Nichtregierungsorganisation eine umfassende Strategie gegen Genitalverstümmelung. Doch das Ministerium zog später seine Unterstützung wieder zurück und stellte sein Engagement in dieser Sache ein. Eine öffentliche Kampagne über Genitalverstümmelung und ihre Folgen wurde ohne Angabe von Gründen ebenfalls aufgeschoben.

Die im Juli 2009 neu gewählte Regierung hat bislang keine Schritte eingeleitet, um Genitalverstümmelung zu beseitigen.

Human Rights Watch fordert die Verantwortlichen in der Autonomen Region Kurdistan auf, eine langfristige Strategie zu entwickeln, um Genitalverstümmelung zu verhindern und zu beseitigen. Bei der Umsetzung dieser Strategie sollen die Regierung, Geistliche, medizinisches Fachpersonal und lokale Gemeinschaften eingebunden werden. Sie soll auch ein Gesetz zum Verbot von Genitalverstümmelung an Kindern und Frauen umfassen.

Quelle: Human Rights Watch, 16. Juni 2010

Auch Die Welt hat heute darüber berichtet und bei der Gelegenheit erneut auf unsere Patenmaedchen-Kampagne hingewiesen.

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