Genitalverstümmelung in Kenia: Täter aus Kuria verurteilt

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Kenia verurteilt Verstümmelungstäter und handelt fortschrittlicher als Deutschland

Wie in fast allen Verstümmelungsgesellschaften erweisen sich die Kuria in Kenia als resistent gegen „Aufklärung“ über Genitalverstümmelung und verüben dieses Verbrechen weiterhin unvermindert. Nur das konsequente Einschreiten von Polizei und Behörden kann die Mädchen wirksam schützen

Wie die kenianische Daily Nation berichtet, wurde vor wenigen Wochen das Elternpaar Samuel und Jane Mabanga aus  Kuria-Distrikt zu drei Jahren Haft oder je 300.000 SH (rund 2.800,-€) verurteilt, weil es seine 13-jährige Tochter an den Genitalien verstümmeln ließ.

Die beiden Täter ließen die Verstümmelung im Dezember letzten Jahres in einem Dorf des Kuria-Distrikts verüben. Genitalverstümmelung an minderjährigen Mädchen gilt in Kenia seit 2001 als strafbares Verbrechen.

Das Opfer überlebte die Misshandlung nur knapp und musste mit schweren Blutungen im Kehancha Sub-County-Krankenhaus behandelt werden.

Die Mitarbeiter des Krankenhauses alarmierten die Polizei und ermöglichten damit die Strafverfolgung des Täterpaares.

Die Richterin betonte die Schwere der Tat und erklärte, dass „harte Strafen die Eltern davon abhalten werden, das Leben ihrer Töchter auf diese Weise zu gefährden.“

Fortschritte auch bei der Prävention von FGM: Massenverstümmelungen im Kuria-Distrikt erfolgreich verhindert

Behörden und Polizei engagieren sich seit Jahren in Kenia – und insbesondere im Kuria-Distrikt – für die Verhinderung von Genitalverstümmelungen und die Festnahme der Täter.

So forderte schon 2005 der Polizeipräsident in Kuria die Polizei zur Verhaftung von Eltern auf, die ihre Töchter der Verstümmelung unterwerfen und im Januar 2006 wurden mehrere Täter inhaftiert. (Quelle: UNHCR)

Der Kenia-Star berichtet, wie sich die Polizei auch dafür einsetzt, dass Mädchen nicht für die Verstümmelung nach Tansania verschleppt werden und sich auch durch Gewaltakte von Verstümmelungs-Befürwortern nicht einschüchtern lässt: „…we will be more vigilant and we are ready to persecute anybody who will circumcise our girls.“ erklärt Joshua Chesire, Deputy Police Chief in Ost-Kuria.

Auch wurden bereits erfolgreich Massenverstümmelungen verhindert und 123 Mädchen einer HighSchool in West-Kuria und mehr als 200 Mädchen in Ost-Kuria vor der Verstümmelung bewahrt.

Vor diesem Hintergrund erscheint das Handeln und Vorgehen der kenianischen Filmerin Beryl Magoko noch verwerflicher, die im Jahr 2010 mit Unterstützung des deutschen Produzenten Andreas Frowein an der Vorbereitung und Durchführung einer strafbaren Massenverstümmelung teilnahm, ihre Kamera ohne Einverständnis auf die Opfer hielt  und den Befürwortern und Tätern eine Plattform bietet, wie wir aktuell ausführlich kritisiert haben, ebenso wie die Bewerbung dieses strafrechtlich relevanten Machwerks durch den Verein Terre des Femmes.

Kenia fortschrittlicher und konsequenter als Deutschland im Umgang mit Verstümmelungstätern

Sowohl der Hergang als auch Ausgang des aktuellen Falles zeigt, dass Kenia – ein Land, in dem bis auf wenige Ausnahmen alle ethnischen Gruppen Genitalverstümmelungen verüben – mittlerweile konsequenter mit Verstümmelungstätern umgeht als Deutschland, denn hierzulande hätten die Täter nichts zu befürchten gehabt, denn

1. Wäre das schwer misshandelte Mädchen in ein deutsches Krankenhaus eingeliefert worden, hätten Ärzte und medizinisches Personal geschwiegen:

Dass Ärzte oder Pflegepersonal bei einer so schweren Gewalttat wie Genitalverstümmelung an einem Kind die Polizei oder Staatsanwaltschaft einschalten ist in Deutschland immer noch undenkbar, da sie in dem Fall an die Schweigepflicht gebunden sind und sich Bundesärztekammer und deutsche Ärzteschaft dafür stark machen, dass dies auch in Zukunft so bleibt.

Der TaskForce liegen zahlreiche Berichte vor über Fälle, bei denen kleine Mädchen in Deutschland verstümmelt und danach in Krankenhäusern behandelt wurden, ohne dass die Polizei eingeschaltet wurde. So bekannte z.B. im Dezember 2007 der Kommentator „OP-Pfleger“ in der „Welt“:

„Als in der operativen Medizin Beschäftigter habe ich schon mehrere solcher Frauen auf dem OP-Tisch gesehen – es bietet sich einem ein entsetzlicher Anblick! Normale gynäkologische Eingriffe vaginaler Art sind kaum möglich, durch das Narbengewebe, was dort wuchert, hinzu kommen Schäden durch Vergewaltigung(en), in aller Regel durch den Ehemann….Der ganze Eingriff, der auch in Mitteleuropa durchgeführt wird (!) – ist eine einzige Schlächterei und eine Kultur, die so etwas propagiert, ist unmenschlich, wenn es überhaupt eine ist.

Das letzte Mädchen, in einem Kreiskrankenhaus in Mitteldeutschland von uns behandelt, war 9 Jahre alt und ist uns bald verblutet, weil die Familie es nicht wollte, dass es operiert wird!!! Stillschweigen von allen – vor allem zu Presse! Das wars dann…“ 

2. Das Täterpaar hätte in Deutschland kaum mehr als eine Bewährungsstrafe zu erwarten

Der Deutsche Bundestag hat im Juni 2013 einen Gesetzesentwurf von CDU/CSU und FDP verabschiedet, mit dem die Parlamentarier durch die niedrige Mindeststrafe von einem Jahr sicherstellen wollen, dass für Verstümmelungstäter Bewährungsstrafen möglich werden – ein Ansinnen, das wir im Zusammenhang mit der Forderung nach Straffreiheit für die Haupttäter – die Eltern – durch den CDU-Politiker Siegfried Kauder scharf kritisiert haben.

Foto: (c) Angela Sevin / Flickr

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