Die TaskForce für effektive Prävention von Genitalverstümmelung hat sich im Januar 2007 als bundesweite Initiative gegründet und ist mittlerweile ein gemeinnütziger und mildtätiger Verein, indem MenschenrechtlerInnen, Fachleute (wie z.B. Juristen) und engagierte Menschen gemeinsam agieren:
Ziel ist der konsequente Schutz gefährdeter Mädchen vor dieser schweren, vermeidbaren Gewalt!
Lesen Sie von einigen unserer Netzwerkpartnerinnen und -partner, warum sie die TaskForce unterstützen:
Monika Gerstendörfer, Dipl.-Psychologin
Nominiert für den Friedensnobelpreis 2005, eine der 1000 Friedensfrauen:
Auch wenn manche verstümmelte Frauen darauf beharren, dass sie nicht als “verstümmelt” bezeichnet werden, so sind sie es doch. Brutal? Ja. Diese “Praxis” ist brutal. Nicht der Kampf dagegen. Das sollte man nie verwechseln. Man muss die Dinge beim Namen nennen. Unbedingt. Denn: Sprache schafft und spiegelt Wirklichkeit/en. Was ich von dieser Bestialität – die m.E. mit Worten nicht mehr zu fassen ist – halte, steht in meinem Sachbuch ab Seite 146
Gerstendörfer, Monika: Der verlorene Kampf um die Wörter – Opferfeindliche Sprache bei sexualisierter Gewalt. Ein Plädoyer für eine angemessenere Sprachführung, Junfermann 2007. ISBN: 3-87387-641-8. Schnell und versandkostenfrei bestellen über den Verlag: Hier auf das Cover klicken: (Link zu www.gerstendoerfer.de)
Unsere Freundin Monika Gerstendörfer verstarb am 17. Februar 2010. Die Zukunft der Lobby für Menschenrechte ist ungewiss. Lesen Sie hier aus Monikas bedeutendem Leben nach.
Ulla Barreto, TABU e.V., Koordinatorin CAFGEM-Projekte, Kenia
E-Mail: ulla.barreto@verein-tabu.de
Nach rund 10 Jahren lobenswerter und notwendiger Aufklärungsarbeit zu weiblicher Genitalverstümmelung ist es offensichtlich, dass allein diese Arbeit nicht ausreicht, um alle hier lebenden, potentiell gefährdeten Mädchen effektiv davor zu schützen. Dieser Schutz steht jedoch lt. Grundgesetz, Artikel 2 Abs. 2 allen Menschen zu. Ein flächendeckender Schutz vor FGM für Kinder in der Migration kann nur durch ein wirksames Präventionsprogramm seitens der Bundesregierung sichergestellt werden, die hierfür endlich die Verantwortung zu übernehmen hat. Die Mitgliedschaft in der TASK FORCE erweitert unser Spektrum, die Prävention von FGM effektiver in den Mittelpunkt auch unserer eigenen Arbeit zu stellen, denn die Verhinderung dieser ritualisierten Folter, die Mädchen immer noch angetan wird, hat absolute Priorität.
Thomas von der Osten-Sacken, Geschäftsführer von WADI e.V.
E-Mail: info@wadinet.de
Genitalverstümmelung ist ein Verbrechen. Ohne wenn und aber. Und gehört abgeschafft. Weltweit. Lieber Gestern als Heute.
Falah Muradkhin, WADI Projekt Koordinator, Suleymaniah, Kurdistan/Iraq
Schon vor langer Zeit hörte ich von Genitalverstümmelungen, aber erst als wir mit WADI die Kampagne in Irakisch-Kurdistan starteten, wurde mir die ganze Dimension dieses Problems bewusst. Ich war schockiert, als ich 2004 mit dem Material konfrontiert wurde, dass unsere Mitarbeiterinnen gesammelt hatten und all die leidvollen Geschichten von Frauen und Mädchen hörte. Ein Mädchen erzählte von ihrer Angst und wie sie sich mutig aber erfolglos zur Wehr setzte. Ich verstand, wie schwierig es ist, Mädchen vor der Verstümmelung zu schützen, umso glücklicher bin ich, heute Teil einer großen Kampagne gegen FGM im Irak zu sein. Seit Dezember 1998 beschäftige ich mich mit den Problemen von Frauen und wie man sie in unserer Gesellschaft stärken und in Recht setzen kann und bin davon überzeugt, dass unsere Gesellschaft sich nur zum Besseren verändern kann, wenn sich die männliche Sicht auf Frauen grundlegend verändert. Frauenrechte stärken, Gewalt gegen Frauen verhindern und thematisieren, das ist nötig im Nahen Osten und unseren islamischen Gesellschaften.
Henriette Lyndian, Rechtsanwältin
E-Mail: lyndian@anwalt-do.de
Wir wollen sämtliche Kinder vor allem Übel schützen. FGM ist ein Übel, vor dem wir Mädchen und Frauen in Deutschland zu bewahren haben, egal welche Nationalität oder Hautfarbe sie haben. Viel wird über FGM geredet und alle sind sich darüber einig, dass “man” etwas dagegen tun muss. Meine Einstellung hierzu ist: Ich tue etwas dagegen, denn ich betrachte mich als “man”. Ich habe mich als Gründungsmitglied des Vereins TABU e.V. in Dortmund immer entschieden für eine voll umfängliche Aufklärung in Bezug auf FGM eingesetzt. Ich werde nicht müde, auch in meinem Beruf als Rechtsanwältin, Behörden, Richter, Polizei und Staatsanwaltschaft auf das Problem aufmerksam zu machen und ein Bewußtsein dafür zu schaffen, dass FGM uns alle etwas angeht. Gut gemeinten Sprüchen müssen Taten folgen und es muss immer jemanden geben, der damit anfängt, es fortführt und in Zukunft den Schutz aufrecht erhält. Deshalb unterstütze ich die Arbeit der TASK FORCE, denn unserer Aufklärungsarbeit müssen auch endlich Taten folgen.
Arvid Vormann, WADI e.V.
Die Praxis der Genitalverstümmelung ist eng verknüpft mit dem Dogma der Jungfräulichkeit.
Erst wenn wir dieses vor allem in muslimischen Gesellschaften so mächtige und – im Übrigen auch ohne FGM – so entwürdigende Dogma zu Fall gebracht haben, wird dieser Brauch allen Menschen als die irre Idee erscheinen, die sie in Wirklichkeit ist.
Melanie Feuerbach, Akifra e.V.
Dipl. Entwicklungspolitologin, Geografin
Wir erwarten, dass Mädchen im ländlichen afrikanischen Raum vor FGM geschützt werden. Doch selbst im entwickelten Europa werden Mädchen an ihren Genitalien verstümmelt – oft ohne dass verantwortliche Strukturen und MitwisserInnen auch nur den Versuch unternehmen, etwas dagegen zu tun. Es sind ÄrztInnen, JournalistInnen, PolitikerInnen, KindergärtnerInnen, Jugend- und SozialarbeiterInnen, die schweigen und aus kulturrelativistischen Gründen lieber zu MittäterInnen werden. Oder es sind von FGM betroffene und traumatisierte MigrantInnen, die ihre Landsleute decken und selbst vorgeben, gegen FGM zu arbeiten, sowie manche Hilfsorganisationen, die für ihre Anti-FGM-Projekte Millionen Euro jährlich an Spenden bekommen. Das ist aus entwicklungspolitischer Sicht eine schleichende Katastrophe. Denn FGM ist nicht nur die Menschenrechtsverletzung, welche Entwicklung und Empowerment von Frauen hier und in Afrika verhindert, sondern es ist auch ein Spiegel unserer eigene Verlogenheit… Wir brauchen endlich eine Entwicklungszusammenarbeit, die direkt an der Graswurzel ansetzt, um progressive Gruppen zu unterstützen – ohne korrupte Eliten hier und dort weiter zu stabilisieren…