Gefahr der Genitalverstümmelung in Sierra Leone: Amtsgericht Delmenhorst schützt zwei Mädchen

Mädchen, die in Deutschland leben, erhalten nur in Einzelfällen Schutz vor Genitalverstümmelung. In Delmenhorst hatten zwei Mädchen dieses Glück

Mädchen, die in Deutschland leben, erhalten nur in Einzelfällen Schutz vor Genitalverstümmelung. In Delmenhorst hatten zwei Mädchen dieses Glück

Hamburg, den 24.10.2013: Mit dem Beschluss 18F 146/12 EASO schützt das Amtsgericht Delmenhorst zwei minderjährige Mädchen vor der Genitalverstümmelung, die ihnen in Sierra Leone – dem Heimatland des Vaters – drohte.

Das Gericht schränkt für beide Eltern, d.h. auch für die deutsche Mutter, das Aufenthaltsbestimmungsrecht ein und untersagt ihnen bei Androhung eines Ordnungsgeldes von 25.000,-€ bzw. Ordnungshaft von bis zu sechs Monaten, mit den Töchtern nach Sierra Leone zu reisen und sie dort der Gefahr der Genitalverstümmelung auszusetzen. Die unbefristete Pflegschaft für sämtliche Auslandsreisen der beiden Mädchen übernimmt nun das Jugendamt Delmenhorst, bei dem auch die Pässe hinterlegt wurden.

Das Verfahren wurde von dem Jugendamt eingeleitet, nachdem eines der Mädchen berichtet hatte, der Vater plane mit ihr in den Ferien eine Reise nach Sierra Leone. Das Land gilt in Bezug auf die Genitalverstümmelung an Mädchen als Hochrisikoland, da dieses schwere Gewaltverbrechen dort mit einer Rate von über 90% an fast allen Mädchen verübt wird. Anhand dieser Fakten stellte das Gericht fest, dass „allein die Absicht des Kindesvaters, mit einem oder beiden Mädchen nach Sierra Leone zu reisen, als drohende Kindeswohlgefährdung angesehen werden“ muss, da in Risikoländern mit einer derart hohen Verstümmelungsrate nicht ausgeschlossen werden kann, dass an den Kindern diese Tat wird, selbst wenn der Vater diese im Vorhinein womöglich gar nicht plante.

Die Entscheidung des Gerichts gründet außerdem auf der gängigen Feststellung, dass die Genitalverstümmelung eine „grausame, folgenschwere und durch nichts zu rechtfertigende Misshandlung“ darstellt und „die möglicherweise eintretenden Verletzungen von besonderer Schwere“ seien. [Read more…]

Konsequenter Schutz für Mädchen bei der TaskForce: Eine Mutter sagt DANKE

Die TaskForce macht sich dafür stark, dass Mädchen sicher vor Genitalverstümmelung geschützt werden

Die TaskForce macht sich dafür stark, dass Mädchen sicher vor Genitalverstümmelung geschützt werden

Seit ihrer Gründung als bundesweites Netzwerk im Jahr 2007 macht sich die TaskForce dafür stark, dass Mädchen, die in Deutschland leben und von Genitalverstümmelung bedroht sind (z.B. während sog. „Ferienreisen“) wirksamen Schutz vor der Verstümmelungsgefahr erhalten.

Zahlreiche Gerichtsverfahren hat die TaskForce seitdem initiiert und begleitet, damit gefährdete Mädchen der z.T. enormen Gefahr im Herkunftsland der Eltern nicht mehr ausgeliefert werden können und die Unversehrtheit der Kinder regelmäßig überprüft werden kann.

Seit die TaskForce im April 2010 den bundesweiten Notruf Genitalverstümmelung – SOS FGM (www.sosfgm.org) eingerichtet hat, melden sich immer mehr Eltern, Fachkräfte (z.B. Lehrer/innen und Erzieher/innen) sowie Mitarbeiter/innen von Jugendämtern, um Hilfe bei der Durchsetzung sicheren Schutzes für gefährdete Mädchen zu erhalten.

Und obwohl uns jedes Mal bereits die Gewissheit genügt, ein Mädchen geschützt zu haben, freuen wir uns natürlich sehr, wenn unsere Arbeit mit Wertschätzung und Dank bedacht wird – so wie kürzlich von einer Mutter, der die TaskForce erfolgreich half,  ihre Tochter vor der Verstümmelungsgefahr in Nigeria zu schützen.

Der folgende Dank – den wir mit freundlicher Genehmigung der Verfasserin veröffentlichen dürfen – erreichte unsere Initiatorin und Vorstandsvorsitzende über Facebook: [Read more…]

Spanien: Ehepaar wegen Genitalverstümmelung zu 12 Jahren Haft verurteilt

Binta Sankano und Sekou Tutay gehen in Spanien für je sechs Jahre ins Gefängnis, weil sie ihre beiden Töchter genitalverstümmeln ließen

Binta Sankano und Sekou Tutay gehen in Spanien für je sechs Jahre ins Gefängnis, weil sie ihre beiden Töchter genitalverstümmeln ließen

Am 23. Mai 2013 fällte das Landgericht Barcelona eines der in Europa bislang konsequentesten Urteile im Fall von Genitalverstümmelung an Mädchen: Das aus Gambia stammende Ehepaar Binta Sankano und Sekou Tutay muss für insgesamt 12 Jahre hinter Gitter, weil es im Jahr 2011 seine beiden sechs und 11-Jahre alten Töchter in Spanien genitalverstümmeln ließ. Die Täter leben seit 20 Jahren in Spanien und hatten noch im Jahr 2008 Mitarbeitern des sozialen Services versichert, ihre Töchter unversehrt aufwachsen zu lassen.

Bei einer Routineuntersuchung im Januar 2011 entdeckte ein Arzt die Verstümmelung und schaltete die Strafverfolgungsbehörden ein. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass die Misshandlung der Mädchen in Spanien verübt wurde, da das Paar keine Reisen nach Gambia unternommen hatte.

Das Urteil ist jedoch nicht nur aufgrund der hohen Strafe bemerkenswert, sondern insbesondere wegen der Tatsache, dass es für das Gericht unerheblich war, wer letztlich die Tat verübt hat: Das Gericht hat erkannt, dass vor allem die Eltern – ohne deren Anstiftung die Verstümmelung nicht erfolgt wäre – für die Tat verantwortlich sind und entsprechend zur Verantwortung zu ziehen sind. [Read more…]

Schutz für ein Mädchen vor Genitalverstümmelung in Gambia: Amtsgericht Böblingen schränkt Aufenthaltsbestimmungsrecht ein

 

Bis zu 50.000 minderjährige Mädchen - auch aus bi-nationalen Partnerschaften - sind in Deutschland von Genitalverstümmelung bedroht. Schutz erhalten sie nur in Einzelfällen...

Hamburg, den 15. Oktober 2012: Das Amtsgericht Böblingen hat mit einem aktuellen Beschluss das Aufenthaltsbestimmungsrecht sowie das Recht zur Regelung der Passangelegenheiten für ein minderjähriges Mädchen aus bi-nationaler Partnerschaft an die deutsche Mutter übertragen. Dem aus Gambia stammenden Vater wird damit untersagt, das 5-jährige Kind außerhalb der Grenzen der Schengener Vertragsstaaten zu verbringen. Die Grenzbehörden wurden entsprechend informiert.

Die gerichtliche Entscheidung beruht auf §1666 BGB, denn es ist zu befürchten, dass das Wohl des Kindes bei einer Reise nach Gambia gefährdet sei.

Der getrennt lebende Kindesvater hatte zuvor die Absicht geäußert, mit dem Mädchen zu seiner Familie nach Gambia zu reisen, in der – wie bei fast 90% aller Gambier – die Verstümmelung von Mädchen durch Herausschneiden der Klitoris und Labien üblich sei. Dieser Gefahr sollte das Kind unter keinen Umständen ausgesetzt werden, entschied die umsichtige Mutter und beantragte beim Gericht wirksame Maßnahmen zum Schutz ihrer Tochter vor dieser schweren, irreversiblen Misshandlung. [Read more…]

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