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Stimmen aus Afrika
Entgegen der weit verbreiteten Ansicht, der Kampf für die Beendigung der Genitalverstümmelung ginge vom „Westen“ aus, haben afrikanische und arabische Frauen und Männer seit Jahrzehnten in ihren Ländern den Widerstand gegen diese Gewalt etabliert. Weitgehend blieben ihre Bemühungen ohne Unterstützung durch westliche Regierungen oder Entwicklungshilfeorganisationen. Auch heute setzen die meisten westlichen Institutionen andere Prioritäten.
Selbst jene Organisationen, die mittlerweile hier und da Projekte unterstützen, sind weit davon entfernt, mit gezielten Maßnahmen ihre Potentiale und Möglichkeiten wirklich auszuschöpfen, um den Prozess der Abschaffung der Genitalverstümmelung zu beschleunigen.
Viele berufen sich dabei auf jene AfrikanerInnen, die das Thema „Genitalverstümmelung“ für einen „Kulturkampf“ instrumentalisieren und westliche Intervention ablehnen.
Die kritischen Stimmen couragierter afrikanischer Frauen und Männer, die Genitalverstümmelung aus dem Kontext der bloßen „Kultur und Tradition“ herauslösen und im Zusammenhang der globalen Unterdrückung weiblicher Menschen verurteilen und bekämpfen, bleiben weitgehend ungehört.
Doch es sind genau diese Stimmen, die uns eine klare Positionierung abverlangen und unsere Verantwortung aufzeigen.
Die TaskForce setzt sich dafür ein, dass die afrikanischen und arabischen KritikerInnen der Verstümmelungen gehört und ernst genommen werden:
Thomas Sankara:
(ehemaliger Präsident Burkina Fasos, 1984-1987)
„Exzision ist ein Versuch, Frauen eine untergeordnete Stellung zuzuweisen, indem man sie mit diesem Stigma versieht, das sie herabsetzt und ständig daran erinnert, dass sie nur Frauen sind, den Männern untergeordnet, dass sie nicht einmal das Recht über ihren eigenen Körper haben oder auf körperliche und persönliche Erfüllung. Auf die gleiche Weise, wie wir die männliche Beschneidung als Maß der Hygiene betrachten können, kann die Exzision nur als Maß der Unterdrückung gesehen werden.“Waris Dirie:
(Somalia/Wien)
„Wir wollen nicht, dass sich jemand in unsere Kultur einmischt“ – in dieses Credo stimmen viele Afrikaner ein. Genitalverstümmelung ist aber nicht das richtige Thema, um die Frage zu stellen, wer für wen sprechen kann, wer mehr oder weniger wert ist. Hier müssen alle Frauen – nein, alle Menschen – an einem Strang ziehen und sich solidarisch erklären im Kampf gegen diese frauenverachtende Praxis.“Awa Thiam:
(Senegal/Paris)
Es besteht „der offensichtliche Wunsch, unsere älteren Frauen freizusprechen, unter dem Vorwand, dass sie keinerlei wissenschaftliche Informationen über die Klitorisentfernung besitzen. Das bedeutet eine Unterschätzung.“…
„Es existieren Quellen, die einfach beweisen, dass Männer schon immer Frauen kontrollieren wollten, ihren Körper und ihren Geist. Wenn man einer Frau die Genitalien entfernt, wenn man sie zunäht und dann wieder aufschneidet, um Geschlechtsverkehr mit ihr zu haben,…braucht nichts mehr erklärt zu werden. Man hat Kontrolle über die Frau, wie man Kontrolle über irgendeinen Gegenstand, irgendeinen Besitz hätte.“
…
„Es gibt in der Welt keine…infibulierte, verstümmelte, geschlagene und verleumdete Frau, in der wir nicht auch selber getroffen und gedemütigt sind.“